Thomas Jonigk "WEITER TRÄUMEN"
Richard Strauss "DIE FRAU OHNE SCHATTEN"
Johann Strauß "DIE FLEDERMAUS"
Franz Lehár "DIE LUSTIGE WITWE"
Giuseppe Verdi "LES VÊPRES SICILIENNES"
Paul Claudel "DER TAUSCH"
Richard Wagner "TRISTAN & ISOLDE"
Georg Friedrich Händel "THEODORA"
Donizetti "LUCREZIA BORGIA"
Richard Strauss "ARABELLA"
Gustave Charpentier "LOUISE"
Hans Werner Henze "DIE BASSARIDEN"
Wolfgang Amadeus Mozart "COSI FAN TUTTE"
Wolfgang Amadeus Mozart "LUCIO SILLA"
Joseph Haydn "ARMIDA"
Giuseppe Verdi "SIMON BOCCANEGRA"
Georg Friedrich Händel "GIULIO CESARE IN EGITTO"
Jacques Offenbach "DIE SCHÖNE HELENA"
Wolfgang Amadeus Mozart "LA FINTA SEMPLICE"
Wolfgang Amadeus Mozart "LA CLEMENZA DI TITO"
Hector Berlioz "LES TROYENS"
Georg Friedrich Händel "ALCINA"
"MOZART IN PARIS", nach Briefen der Familie Mozart
Gioacchino Rossini "IL TURCO IN ITALIA"
Charles Gounod "FAUST"
Gaetano Donizetti "ROBERTO DEVEREUX"
Wolfgang Amadeus Mozart "DIE ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL"
Georg Friedrich Händel "SAUL"
Richard Strauss "ARIADNE AUF NAXOS"
Christoph Willibald Gluck "IPHIGÉNIE EN AULIDE"
Georg Friedrich Händel "ALCINA"
Richard Strauss "DER ROSENKAVALIER"
Claudio Monteverdi "L’ORFEO"
Peter I. Tschaikowsky "PIQUE DAME"



Thomas Jonigk "Weiter träumen"  back to overview
Schauspielhaus Zürich, Premiere der Uraufführung am 22. Oktober 2011

Viel Sinn für Komik
Dieses neue Stück stammt von Thomas Jonigk, dem Dramaturgen und Hausautor am Zürcher Schauspielhaus. Letzten Samstag hob es Christof Loy im buchstäblich klinischen Bühnenbild von Jan Versweyfeld aus der Taufe (Kostüme Ursula Renzenbrink) – mit viel Sinn für Komik.
Barbara Villiger Heilig, Neue Zürcher Zeitung, 24.10.2011

Realismus und Traumwelt
"Christof Loy hat wunderbar die Balance zwischen Realismus und Traumwelt geschaffen."
Deutschlandradio Kultur

Intensivstation als verdichtende Metapher
"Mit seinem Ausstatter-Duo macht Loy die Intensivstation als eine das Geschehen verdichtende Metapher unmittelbar begreifbar. Wobei er die durchaus in dem Stück vorgegebenen boulevardesken Elemente und Requisiten ausspielen lässt und akzentuiert – einschließlich getigerter Röckchen weiterer Frauen, die in Bockmanns Bannkreis geraten sind.
Südkurier

Richard Strauss "Die Frau ohne Schatten"  back to overview
Premiere am 29. Juli 2011, Salzburger Festspiele, Großes Festspielhaus

Zwei Deutungsebenen
1955, im Jahr des österreichischen Staatsvertrags, wurde unter der Leitung von Karl Böhm in Wien die erste Gesamtaufnahme der "Frau ohne Schatten" eingespielt. Und in Loys Inszenierung werden wir zu Beobachtern einer historischen Schallplattenaufzeichnung im Wien der fünfziger Jahre. Eine junge Sängerin ist mit der Aufgabe betraut, die Rolle der Kaiserin zu singen und wird zur Zeugin von allerlei hereinbrechenden Wirklichkeiten und hässlichen Intrigen, die ihre künstlerischen Reinheitsideale ins Wanken bringen, und sie am Ende schließlich doch reifen lassen. Was sich jedoch zunächst ausnimmt wie eine verkappte konzertante Aufführung, in der die Sänger in einem scheinbar rein dekorativen Bühnenbild an Notenpulten stehen und ihre Partien einsingen, offenbart im Laufe des Abends eine interpretatorische Hintergründigkeit und Vielschichtigkeit, die aus dem überladenen und problematischen Libretto – wie unsinnlich und erklärungsbedürftig auch immer – mit großer Klarheit einige zentrale Aspekte herauspräpariert. Denn die prächtige Kulisse, die der Bühnenbildner Johannes Leiacker entworfen hat, bildet detailgenau die einstigen Wiener Sofiensäle nach, die nicht nur als legendäres Aufnahmestudio für Schallplatten dienten, sondern auch als Gründungsstätte der österreichischen NSDAP und als Sammelstelle für die zur Deportation bestimmten. Zwei Deutungsebenen zieht Loy seiner Inszenierung durch diese Rahmung ein: Die Frage nach der "Unbeflecktheit" von künstlerischer Empfängnis und Reproduktion innerhalb des historischen Kontextes und die Dialektik zwischen dem ästhetischen Impuls und seiner Gestaltung im künstlerischen Schaffen selber.
Julia Spinola, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1.8.2011

Keine Märchen
Loys Grundidee wirkt willkürlich und ist es nicht. Bei ihm gibt es keine Märchen, keine Symbolkraft. Strauss und Hugo von Hofmannsthal erzählen in der "Frau ohne Schatten" von einer Kaiserin, die, bislang schattenlos, einen Schatten erwerben muss, andernfalls wird ihr Gatte zu Stein. […] Das alles interessiert Loy nur insoweit, als hinter der phantastischen Fabel Hofmannsthals eine reichlich patriarchalische und durch die Musik psychologisierte Schilderung menschlichen Paarverhaltens steckt.
Egbert Tholl, Süddeutsche Zeitung, 1.8.2011

Das Spießige verliert an Penetranz
Einer, der sich an solchen Prämissen reibt, ist der Regisseur Christof Loy. Verständlich also, dass er für seine Inszenierung der "Frau ohne Schatten" bei den Salzburger Festspielen auf Mittel und Wege der Distanzierung sann. Er fand sie darin, dass sich die Oper nicht an den von Hofmannsthal vorgegebenen Schauplätzen ereignet, sondern in einem barocken Ballsaal: in einem Interieur im Stil der Wiener Sophiensäle, das Johannes Leiacker in liebevoller Detailarbeit nachgebaut hat. Und gespielt wird nicht "Die Frau ohne Schatten", sondern vielmehr eine mehrtägige Aufnahmesitzung, die der gleichnamigen Oper gilt. Loy hat sich da durch den Dirigenten Karl Böhm inspirieren lassen, der die Oper 1955 gleich wieder ins Programm der Wiener Staatsoper eingefügt und sie dann unter den widrigen Umständen der Nachkriegszeit auch aufgenommen hat. […] Mag sein, dass dieser ausgesprochen anregende Ansatz ohne Rezept des Regisseurs nicht zu kapieren ist. Der Gewinn ist jedoch offenkundig: Das Spiessige des Stücks verliert an Penetranz, und zugleich tritt heraus, wie komplex die einzelnen Figuren und ihre Beziehungen untereinander gezeichnet sind, vom Text wie von der Musik her.
Peter Hagmann, Neue Zürcher Zeitung, 2.8.2011

Ganz aus dem Text hergeleitet
Vom ersten Moment an ist diese Aufführung minutiös inszeniert. Und wie die exzellenten Singschauspieler dieser Produktion diese Haltung beglaubigen, in oft nur minimalsten Haltungen, Gesten, Blicken, wie dazu das vielfältige Staffagenpersonal – vom Produktionsleiter über Aufnahmeassistenten bis zum Hausmeister am Eingang – nicht nebensächlich ist, sondern charakteristisch scharf gezeichnetes, handlungsimmanentes Profil erhält, zählt zu den verblüffendsten Ereignissen dieser aufreizend meisterhaften Regie. Verblüffend ist, wie Loy seine Geschichte – und das ist auf den ersten Blick gewiss nicht die Geschichte Hofmannsthals – dennoch mit intelligenter Genauigkeit ganz aus dem Text herleitet, ohne ihn umzudeuten. Hofmannsthals bilderreiche, assoziationsgeschwängerte, aus vielen Quellen zusammengelesene, heute (wie gestern) oft schwer begreifbare Metaphorik wird dadurch auf erstaunliche Weise transparent. Wenn von der Bühne herab die Verständlichkeit des Textes im Überschwang des Singens auch oft leidet, helfen in diesem Fall die Übertitel, um zu sehen, wie aufmerksam Loy der Handlung Sinn gibt.
Salzburger Nachrichten, 1.8.2011

Nachdenken über sich selbst
Christof Loy (Regie), Johannes Leiacker (Ausstattung) und Ursula Renzenbrink (Kostüme) nehmen das Werk so, dass es bei seinen Zuschauern wie seinen Interpreten ein Nachdenken über sich selbst in Gang zu setzen und mitzureißen vermag. […] Dafür, dass die szenische Reduktion auf Kammerspielformat im opulenten Saal von einer bebilderten konzertanten Aufführung meilenweit entfernt bleibt, sorgen die exzellente Personenführung Loys und das darstellerische Potenzial der Interpreten.
Roberto Becker, Neues Deutschland, 1.8.2011

Frische Perspektiven
Im Grunde waren es weniger die langsamen, freilich nie spannungslosen Tempi, die souveräne Disposition der Klangproportionen und der süffige Sensualismus der musikalischen Exegese als Loys allen Geister-Hokuspokus und das ganze verschraubte Mutter-Pathos beiseiteschiebende Inszenierung, die frische Perspektiven auf das unter dem Kanonendonner des Ersten Weltkriegs ausgebrütete „Schmerzenskind“ von Strauss und Hofmannsthal eröffneten. […] Die Kraft dieser stillen Inszenierung geht nicht zuletzt von der liebevollen, reflektierten Sympathie aus, die Loy für die Figuren und ihre Darsteller empfindet.
Albrecht Thiemann, Opernwelt, September/Oktober 2011

Johann Strauß "Die Fledermaus"  back to overview
Premiere am 6. März 2011 an der Oper Frankfurt

Geschichte entwirren
Christof Loy stellt damit die Originaldramaturgie der Operette komplett um: Am Anfang und damit im Zentrum steht also der Ball des Prinzen Orlowsky. Diese ausgelassene Szenerie wird jedoch immer wieder durchbrochen von Szenen aus dem Hause Eisenstein, die wie erinnerte Situationen - Flashbacks - in das Ballgeschehen hineingeschnitten werden, so als komponiere Loy hier einen real auf der Bühne gespielten Spielfilm. In dieser Collage vermittelt sich peu à peu, warum diese feine Gesellschaft diesem Gabriel von Eisenstein eigentlich an den Kragen will. Loy versucht auf diese Weise, die doch eher komplizierte Geschichte über die "Rache der Fledermaus" zu entwirren und auf den Punkt zu bringen, außerdem umschifft er damit die Langsamkeit und Langeweile, die sich mitunter im 1. Akt des Originals breitmacht: Er geht gleich in media res.
Natascha Pflaumbaum, Deutschlandradio Kultur, 6.3.2011

Regie-Blick hinter die Kulissen
Christof Loys Regie-Blick geht hinter die Kulissen, hinter die Fassade dieser bürgerlichen Gesellschaft, die Johann Strauß in seinem genialen Werk mit feiner Ironie karikiert – eine Gesellschaft aus Dienstmädchen, Balletteusen, falschen Gräfinnen und Gefängnisdirektoren, die ihr langweiliges Leben nur noch durch ausgelassenes Feiern, intrigante Maskeraden und lasterhafte Vergnügungen glaubt ertragen zu können. Wie schon bei Mozarts "Entführung" und der "Così", die Loy für das Frankfurter Haus so exquisit umgesetzt hat, geht der Regisseur auch bei der "Fledermaus" ins Detail, erforscht mit gründlicher Sicht auf die Partitur minuziös die psychischen Beweggründe der Protagonisten.
Michael Dellith, Frankfurter Neue Presse, 8.3.2011

Tief hineingehört
Loy hat, unterstützt vom Frankfurter GMD Sebastian Weigle, tief in die Musik hineingehört und aus ihr jenen nostalgischen Schwebezustand herausgekitzelt, der so typisch ist für die österreichische Mentalität des "Sowohl als auch und des Weder noch" (wie Robert Musil treffend schrieb). Strauß’ Musik unternimmt eine Gratwanderung zwischen Frenesie und Rührung. Hinter dem Walzertaumel lauert stets zugleich die Leere, hinter dem Versprechen der erotischen Orgiastik die Ernüchterung. […] Was Christof Loy zeigt, sind gebrochene, melancholische Figuren, die sich in das Quiproquo des von Dr. Falke eingefädelten Faschingsscherzes halb willentlich, halb unwillentlich fügen. Sie alle haben in Frankfurt Haltungen, die wie Maßanzüge sitzen und die Rollen definieren.
Uwe Schweikert, Opernwelt

Bestechende theatrale Qualität
Eine Aufführung von bestechender theatraler Qualität. Punktgenau gearbeitet, auch in den bewusst gesetzten Längen: Wer Schampus-Seligkeit sucht, ist in dieser subtilen Leerstellen-Deutung fehl am platz. Ein Wiedersehen feiert man dabei mit den klassischen Otto-Schenk-Scherzen, die, so genau ausgebreitet, plötzlich nach absurdem Witz schmecken. Nicht auf Schenkelklopfer ist Loy aus, sondern auf Dinge jenseits des Abgrunds: Wenn sich Eisenstein und Rosalinde (Barbara Zechmeister) zum Csárdás ohne Worte angriffslustig umkreisen und wenn sie später, nachdem nicht nur die Bühne, sondern jede Figur "leer geräumt" und demaskiert ist, diesen Csárdás allein singt, dann öffnet sich ein Blick auf die Brutalität dieses bösen, nur vordergründig operettigen Glücksspiels um die Liebe.
Markus Thiel, Münchner Merkur

Franz Lehár "Die lustige Witwe"  back to overview
Premiere am 14. Dezember 2010 im Grand Théâtre de Genéve

Wunderbarer Operettenabend
Es beginnt mit einen Duett zwischen einem Plattenspieler und einem Staubsauger, es endet mit einem geplatzten Koffer voller Geld. Kitsch und Materialismus, Sentiment und die Härten der Realität - Regisseur Christof Loy rührt all das in seiner "Lustigen Witwe" am Genfer Grand Théâtre zu einem wunderbaren Operettenabend zusammen. Hier gibt es kein Schenkelklopfen und keine Besserwisserei, keine billigen Lacher, keinen Trash und auch keine wohlfeile Dekonstruktion. Hier wird der Unsinn des Dreivierteltakts ernst genommen und in der Frivolität von Ballsirenen ein Hauch von Schnitzler und Feydeau entdeckt. Die Hauptrollen erweisen sich als gebrochen moderne Charaktere und Lehárs Weltschlager offenbaren plötzlich eine ungeahnt instrumentale Subtilität. Dabei geht Loy hochseriös vor, nur behutsam versucht er die seit 1905 erstaunlich lebenskräftige Operette zu modernisieren.
Manuel Brug, Die Welt, 16.12.2010

Une profonde nostalgie
Une opérette ou un drame amoureux? Paris de la Belle Epoque ou un no man’s land communiste, quelque part dans l’Europe de l’Est des années 60? Christof Loy entretient l’ambiguïté d’un bout à l’autre: sa Veuve joyeuse au Grand Théâtre de Genève n’est pas si guillerette que ça. Le regard décalé du metteur en scène allemand, ses recettes calquées sur le monde du théâtre et du cinéma produisent des résultats pour le moins surprenants. [...] Il y a une profonde nostalgie dans cette mise en scène. Christof Loy n’enfonce jamais le clou - sauf peut-être pour la "séquence cul" de la soirée où la veuve apparaît en petite tenue. [...] Cette manière de traiter l’opérette sort le genre de ses conventions. Christof Loy n’est pas exempt des conventions de son temps, qui veulent qu’on pose un regard scrutateur sur un livret, quitte à en travestir les données. Lui-même est un enfant (éloigné) du Regietheater à l’allemande, aux écarts parfois maladifs, mais sa relecture multilingue s’avère logique. Son spectacle est plein de finesses, d’allusions à l’avant-guerre, avec son cortège d’utopies et d’idéologies dangereuses (le bal des petites filles en bottes rouges comme pour célébrer une race pure), avec ses manières hypocrites (José Van Dam en Baron Zeta parfaitement faux-cul).
Julian Sykes, Le Temps, 17.12.2010

Giuseppe Verdi "Les vêpres siciliennes"  back to overview
De Nederlandse Opera, Premiere am 10. September 2010

Pessimistisch und wahr
Und dann gibt es noch eine separate Bühne auf der Bühne mit Blümchentapete und Kochgeschirr für den Ballett-Traum vom richtigen Leben im Falschen. Darum eigentlich geht es bei dieser Deutung. Wenn die Besatzer (Franzosen) im Anzug und dann im Maskenball-Outfit wie bei Louis XIV. die schikanierenden, meuchelnden und erniedrigenden Feinde spielen und die Sizilianer im Alltagszivil sich das alles bieten lassen und (zu) lange Zeit nur die Faust in der Tasche ballen, steht immer die Frage mit im Raum, wie man sich selbst verhalten würde - auf der einen oder der anderen Seite. Das dritte, das ausgesöhnte, normale Leben, in dem es ein Familienglück quer über die Parteigrenzen hinweg gibt, das existiert nur als (Ballett-)Traum. Ziemlich pessimistisch das Ganze. Und ziemlich wahr.
Joachim Lange, Die Welt, 15.09.2010

In präziser Gestik pure Emotion und Erotik
Wer auf Effekthascherei aus wäre, der würde hier und Guantánamo-Orange bemühen. Christof Loy hält stattdessen ästhetisch wohltuend Maß mit dem metaphorischen Schrecken. Er setzt auf eine subtilere Wirkung. Der diskursive szenische Minimalismus, der seine Inszenierung immer häufiger durchweht, bietet hier immer an, dass sich der Zuschauer in das Geschehen auf der Bühne projiziert und für sich selbst Stellung bezieht und sich fragt, wie weit er sich dem Druck der Gruppe (ganz gleich welcher) zu konformem Verhalten beugen würde. Schon bei Eugène Scribe und Verdi ist die Geschichte verfahren, der politische Kompromiss durch den Terror auf beiden Seiten Illusion. Bei Loy wird das exemplarisch Tragische eher noch deutlicher, weil er die dahinplätschernde Ballettmusik nutzt, um die Alternative eines "richtigen" Lebens als Traum zu zeigen. In den Räumen der Kindheit mit ihren Blümchentapeten und den unbeschwerten Spielen.
Frankfurter Rundschau, 14.09.2010

Aufs Ganze zielende Interpretation
Loy hat das Libretto Scribes, das vor dem historischen Hintergrund des sizilianischen Aufstands von 1282 eine Geschichte um Vaterlandsliebe, zerrissene Loyalitäten und (scheinbaren) Verrat entfaltet, sehr genau gelesen. An der nachgerade infantil wirkenden Peripetie des Dramas im vierten Akt – Montfort, der französische Gouverneur in Palermo, quält seinen auf der Seite der Sizilianer kämpfenden Sohn Henri – hatten sich schon die Pariser Zeitgenossen gestoßen: Mit dem rotzigen Motto "Dis-moi papa" ("Nenn mich doch Papi") persiflierten sie die Szene, in der sich Henri erst dann zu dem vom Vater erpressten Bekenntnis hinreißen lässt, als der Henker im Begriff ist, Hélène zu töten. Loy zeigt diese Unterwerfungsgeste als infantile Regression, macht sie aber gleichzeitig zum archimedischen Punkt seiner Inszenierung. Zur üblicherweise gestrichenen, über zwanzig Minuten dauernden Ballettmusik im dritten Akt erzählt er aus Hélènes und Henris Kindheitstagen. […] Wie die Ballettmusik hier als essentieller Teil einer aufs Ganze zielenden Interpretation genutzt wird, ist ein wahrer Geniestreich. […] In Christof Loys eindringlicher Interpretation wirkt das Stück weniger sperrig, als man immer gemeint hatte.
Anselm Gerhard, Opernwelt, November 2010

Paul Claudel "Der Tausch"  back to overview
Schauspielhaus Zürich, Premiere am 23. Januar 2010

Zeitloser Kern
Nun ist er zum Schauspiel zurückgekehrt und zeigt in Zürich eine klare, genau reflektierte Auseinandersetzung mit Paul Claudel: "Der Tausch". [...] Loy hat aus Sätzen des Stückes einen Prolog collagiert, der das Publikum von seinen Vorurteilen und Erwartungen reinigen soll. Die vier sprechen die gleichen Sätze mit wechselnden Partnern, reißen Situationen an und sind Sekunden später wieder woanders. Wer hier wen verkörpert, wird erst später deutlich. Zumal Klara Manzel als Marthe nicht züchtig gekleidet ist, sondern in einem modischen Kleid mit Glitzerträgern ebenso attraktiv wie Schauspielerin Lechy. Nadine Geyersbach spielt diese junge Frau überraschend schwermütig. Nur im Spiel mit den anderen gibt sie sich lebensfroh, verführerisch. Sonst sitzt sie am Rand der leeren Bühne und starrt mürrisch die Wand an. […] Herbert Meier hat in seiner neuen Übersetzung einige heute pathetisch-verschroben klingende Passagen aktualisiert. Trotzdem ist "Der Tausch" sperrig. Doch wenn sich Theatermacher so beharrlich behutsam darauf einlassen wie Loy und die ausgezeichneten Schauspieler, tritt der zeitlose Kern hervor.
Stefan Keim, Frankfurter Rundschau, 27.1.2010

Von aller Schwüle befreit
Jetzt hat Loy den Claudel von aller Schwüle befreit und zu einer kargen Sprech-Oper entkernt. Die Sprache entsteht nicht aus den Figuren: Die Figuren gehen umgekehrt aus dem poetischen Mehrwert von Claudels Sprache hervor, aus den Hymnen an Natur, Arbeit und "Großvater Elch". […] Loys "Tausch" hat die Schlichtheit einer antiken Tragödie und ist doch ganz von hier und heute, näher bei Botho Strauß als bei Claudel.
Martin Halter, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.1.2010

Was dem Menschen Halt gibt
Ins Zentrum seiner Inszenierung will Loy aber etwas anderes rücken, nämlich die im Stück gestellte Frage, was dem Menschen im Leben Halt gibt. […] In einer eigentlichen Austreibung des Geistes und einer Absage an die Vernunft werden wir Zeugen, wie die Lebensentwürfe der Figuren auf eine im Nichts endende Rutschbahn geraten. Wir sehen dem Erwachen der Gier zu, wenn Jirka Zett als Louis Laine auf Nageoires Kaufangebot eingeht und seine Frau für ein Paar hingeworfene Dollarbündel verschachert; wir sind bei der Entfesselung der Triebe dabei, wenn Laine seine Marthe gegen Lechy Elbernon tauscht und Nadine Geyersbach die Triebhaftigkeit ihrer Figur mit zitternden Armen und krampfenden Fingern wie ein Junkie auf Entzug spielt.
Andreas Tobler, Tages Anzeiger, 25.1.2010

Richard Wagner "Tristan und Isolde"  back to overview
Royal Opera House, Covent Garden London, Premiere am 29. September 2009

Bis in die feinsten Seelenfalten
Drei ausgedehnte Akte lang zehrt das Geschehen von wenig anderem als von der rückhaltlosen Versenkung in das uferlose Wollen und Wünschen der Protagonisten. Dem Regisseur bleibt die heikle Aufgabe, dieses bedeutungsvolle Nichts jenseits von opernhaften Platitüden szenisch so offenbar werden zu lassen, dass der Zuschauer dennoch soghaft in die Logik dieser Binnenperspektive hineingezogen wird. Die auf den ersten Blick kühl und sparsam erscheinende Inszenierung von Christoph Loy in Covent Garden wird dieser Herausforderung brillant gerecht. […] Die abstrakte Leere dieses Raums wird vom ersten Auftreten der Figuren an gefüllt mit einem scheinbar unmittelbar der Musik entsprungenem szenischen Leben. Loys Regie schmiegt sich den Regungen der Figuren bis in die feinsten Seelenfalten hinein an.
Julia Spinola, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2.10.09

Emotionale Wahrheit
Was man jedoch nicht erwarten konnte: Durch das Aufbrechen der Oberfläche dieses herzzerreißenden Meisterwerkes gelingt es, eine emotionale Wahrheit hervortreten zu lassen, wie man sie in den meisten Produktionen dieses Stückes nicht mehr erleben kann.
Edward Seckerson, The Independent, 1.10.2009

Innere Wunden des Hauptprotagonisten
Es ist ein Spiel der verhaltenen Gesten und vorsichtigen Bewegungen, das Loy da in Szene setzt […] Neben der im Hintergrund als Drohkulisse wirkenden Festgesellschaft, die König Marke als Gastgeber mit Schampus und wallendem schlohweißen Haar anführt, konzentriert sich Loy vor allem auf die inneren Wunden der Hauptprotagonisten. Tristan agiert und reagiert oft reichlich autistisch und auch Isolde hat spürbar ihre eigenen Traumata erlebt, nicht nur durch den Trankeszauber und die folgenden Verwicklungen.
Jörn Florian Fuchs, Deutschlandradio Kultur, 30.9.2009

Aufdecken der tiefsten Ängste
Loy durchdringt brillant die verwirrten, problematischen Seelen der beiden Liebenden. Der große, leere Raum der vorderen Bühne ist offensichtlich die "innere Welt", in der sie ihre tiefsten Ängste aufdecken: bei Tristan ein Leben ohne Ziel, bei Isolde die unerwiderte Liebe. Letztlich erfüllt hier keiner die Wünsche des jeweils anderen.
Richard Morrison, The Times, 1.10.2009

Georg Friedrich Händel "Theodora"  back to overview
Salzburger Festspiele, Premiere am 25. Juli 2009

Keuschheit und sexuelle Enthaltsamkeit
Loy begeht in seiner Inszenierung nicht den Fehler, den Mangel an äußerer Handlung durch Aktionismus zu kompensieren; auch optisch bleibt die Produktion bewusst karg. Gespielt wird in schwarzen Anzügen vor einem Einheitsbühnenbild (Annette Kurz), einer in scheinbar unendliche Höhen wachsenden, doch halbverdeckten Riesenorgel. Eine Reihe von blassgelben Stühlen, mit denen ausgiebig hantiert wird, bildet das zentrale szenische Element, das an eine konzertante Aufführung denken lässt. Vor diesem Rahmen treten die Solisten in gut brechtscher Manier in ihre Rollen, nur Theodora, eindringlich verkörpert von Christine Schäfer, macht keinen Unterschied zwischen Sein und Darstellung – sie ist in fast autistischer Weise stets ganz bei sich selbst. Dass Loy ihr diese Identität zugesteht, hat einen Grund: Er verhandelt an ihrem Beispiel das zeitlose Thema von Keuschheit und sexueller Enthaltsamkeit.
Christian Wildhagen, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.07.2009

Delikate Ausleuchtung der Charaktere
Regisseur Christof Loy hat es dabei auch geschafft, die heiklen Dimensionen des Festspielhauses zu instrumentalisieren. Statt den Raum zu verkleinern, kostet er dessen opulente Ausmaße aus, um die Verlorenheit einzelner Individuen zu zeigen und die Nähe oder Distanziertheit innerhalb derer Beziehungen transparent werden zu lassen. Die kahle Bühne hat in ihrer Mitte zwar eine riesige Kirchenorgel (Bühnenbild: Annette Kurz). Der Rest der Requisiten jedoch besteht nur aus Stühlen, auf denen der Chor nie zur starren Erweiterung der Publikumsmenge wird. Loy ist hier eine Menscheninstallation gelungen, die frei von verzierendem und effekthascherischem Opernaktionismus Wert auf delikate Ausleuchtung der Charaktere legt. Einen dermaßen bewussten Umgang mit Figuren würde man den meisten Operninszenierungen wünschen. Und: Nebenbei hat Loy sogar das Motto dieser Festspiele ("Das Spiel der Mächtigen") mit Sinn erfüllt.
Ljubiša Tošic, Der Standard, 27.07.2009

Getriebene einer Begierde
Loy inszeniert den Übergang, das keusche Sichverströmen. Theodora und Didymus sind Getriebene einer Begierde, die nicht nur die Kleider, sondern auch das Fleisch abwerfen möchte. Uns Eiligen von heute erscheint dieser Abschied wie ein schier unendlicher Vorgang, die sorgsame Vorbereitung eines Weltraumausflugs. Es ist ein Abend nahezu ohne Zerstreuung. Loy will verstehen, in Karl Kraus’ Sinne aktualisierend, wie Frühere gelebt und geglaubt haben. Er zeigt die Not und Last solchen Glaubens. Man ahnt, welch unerbittliche Arbeit ein Leben "in Gott" bedeutet hat. Die Stimmen leisten das Wesentliche dieser Arbeit: Es ist fast, als solle Gott im Gesang erst erschaffen werden. Als die Liebenden tot sind, wendet sich der Chor still zur Orgel hin, ganz so, als seien die beiden darin verschwunden oder "aufgegangen". Loy scheint zu sagen: Was an Spiritualität noch zwischen uns ist, der Rest, den Theodora und Didymus hinterlassen haben, findet sich hier, in der Musik.
Peter Kümmel, Die Zeit, 30.07.2009

Donizetti "Lucrezia Borgia"  back to overview
Oper München, Premiere am 23. Februar 2009

Die Frau, die ihre Mutterschaft nie leben konnte
Denn Loy interpretiert auch dieses Stück als Psychologe. Lucrezia ist für ihn die Frau, die ihre Mutterschaft nie leben konnte, und in dem mutterlos bei einem Fischer aufgewachsenen Gennaro, dem seine Identität verheimlicht wird, sieht er den Sohn, der nie Kind sein durfte (eine Konstellation, die Parallelen zu Verdis «Rigoletto» aufweist). So treffen sich die beiden in dem, was sie nicht sind. […] Mit seiner elaborierten Personenführung macht Loy auch die Gruppenszenen spannungsvoll lebendig – stark schon die Eröffnung mit den lässig gelangweilt herumstehenden jungen Venezianern, die bei den Hasstiraden gegen die Borgia ihre Männlichkeit demonstrieren, indem sie die Kniehosen zu voller Länge ausrollen, erst recht eindrücklich aber, wie Loy im Schlussakt allein aus den Körperhaltungen und Bewegungen der Festbesucher Todesstimmung verbreitet.
Neue Zürcher Zeitung, Marianne Zelger-Vogt, 25.2.2009

Albtraumspiel als Choreografie aus Gefühlen und Tönen
Und Loy widerlegt das vor allem in deutschen Landen weit verbreitete Vorurteil, Belcanto und Regie würden einander ausschließen. Er fächert ein durchaus folgerichtiges Albtraumspiel als wohlüberlegte Choreografie aus Gefühlen und Tönen in einer uniformen Männergesellschaft auf, wo selbst die einzige Frau - zeitweise - die Hosen an hat. Dekorationen und Requisiten braucht er dazu so gut wie gar nicht.
Die Welt, Manuel Brug, 25.2.2009

Gruberovas Dichte der Menschendarstellung
Gleichzeitig aber, zumal mit einem Regisseur wie Christof Loy, erreicht die Gruberova mittlerweile eine Dichte der Menschendarstellung, deren Geheimnis in der Reduktion der Mittel besteht. Edita Gruberova spielt nicht nach vorn an die Rampe, sondern nach innen in die Seele der Figur.
Süddeutsche Zeitung, Wolfgang Schreiber, 25.2.2009

Singende Menschen verbinden
Schließlich versteht Christof Loy wie nur wenige das schwierige Metier, singende Menschen auf der Bühne emotional und räumlich miteinander zu verbinden. Vor einer schlichten Wand, die sich im Laufe des Abends immer weiter nach links verschiebt (Bühnenbild: Henrik Ahr), haben Chor und Solisten keine anderen Requisiten als nur Stühle und gelegentlich mal einen Tisch - der Rest ist Bewegung, die in belebten, durchdacht den Raum füllenden Szenen oft geradezu choreografische Qualitäten hat.
Stuttgarter Nachrichten, Susanne Benda, 25.2.2009

Richard Strauss "Arabella"  back to overview
Oper Frankfurt, Premiere am 25. Januar 2009

Klar und klug zurückhaltend
Denn so klar und kraftvoll der Orchesterklang und die Stimmen in der Oper Frankfurt präsent sind, so klar und klug zurückhaltend hat Christof Loy hier inszeniert; es reicht ein weißer Guckkasten mit wenigen Möbeln und sich verschiebenden Wänden, die wie Sichtblenden dem Publikum jeweils nur das Nötigste in Ausschnitten zeigen und den Rest der durch Libretto und Musik entfachten Phantasie ergänzen lassen.
Helmut Mauró, Süddeutsche Zeitung, 31.1.2009

Im entrealisierten Raum
Christof Loy bereitet subtil auf diesen Schluss vor und braucht ihn deshalb auch nicht verkrampft anzuschrauben. Im entrealisierten Raum findet Versöhnung durchaus statt, aber nach den vorangegangenen Erschütterungen bekommt sie etwas Unwirkliches. Das Hauptpaar geht am Ende in den schwarzen Hintergrund hinein, aber man denkt dabei weniger an eine rüstige balkanische Gutsherrschaftszukunft, eher an eine Versetzung an den opernmythischen Sternenhimmel wie im Finale von "Ariadne auf Naxos" oder sogar in der Ehe-Apotheose des autobiographischen "Intermezzo".
Hans-Klaus Jungheinrich, Frankfurter Rundschau, 27.1.2009

Aufwertung des geschmähten Werkes
Im Verein mit Sebastian Weigles unaufdringlich stimmiger, meist vorantreibend akonistischer Partiturlesart gelingt Loy eine packend zeitlose, obwohl locker mit dem Fifties-Klischee spielende Aufwertung des geschmähten Werkes.
Manuel Brug, Die Welt, 27.1.2009

Gustave Charpentier "Louise"  back to overview
Deutsche Oper am Rhein, Theater Duisburg, Premiere am 27. September 2008

Reduzierte Ästhetik
Wie in seiner Frankfurter "Cosi" oder zuletzt in Mozarts "Lucio Silla" an der Rheinoper setzt Loy auch hier auf eine reduzierte Ästhetik. Er verlegt die Geschichte des Mädchens Louise, deren Eltern zu denen gehören, die ihre Tochter nicht loslassen können und die daran fast zu Grunde geht, in ein Wartezimmer, irgendwo in den muffigen frühen Sixties (Bühne: Barbara Pral). Was sezierend langsam beginnt, steigert sich zum Traum-Bacchanal der Louise. Ihr Liebhaber Julien, der sie vermutlich heiratet; ihr Vater, der die aus der Pariser Lebewelt zurückholt in eine Enge, die immer wieder auch an Inzest denken lässt. Am Ende dieses Psycho-Spiels: Der Arzt als Liebhaber-Projektion. Louise verlässt mit den Eltern dieses Wartezimmer auf das Leben.
Dirk Aschendorf, Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 1.10.2008

Ungeheure szenische Spannung
Mit Gustave Charpentiers selten zu sehender Oper "Louise", die jetzt mit großem Erfolg im Duisburger Stadttheater aus der Taufe gehoben wurde, führt er seinen Zyklus französischer Meisterwerke fort und verfeinert zugleich seinen unverkennbar eigenen Personalstil. Das bedeutet: konsequente Reduktion äußerer Mittel auf das Allernötigste und filigranste Ausarbeitung einer psychologisch durchdachten und schlüssigen Personenführung. [...] Das alles führt Loy mit einer an Genauigkeit nicht mehr zu überbietenden Profilierung der Figuren aus, aus der die Aufführung eine ungeheure szenische Spannung erfährt und stellenweise surreale Züge erhält.
Pedro Obiera, Neue Ruhr Zeitung, 29.9.2008

Leben kann nur im Traum stattfinden
Loy deutet die Versuche der Näherin Louise, aus ihren beengten familiären Verhältnissen zu entkommen, von vornherein als Wunschvorstellungen: Leben kann nur im Traum stattfinden. [...] Das Faszinierende an Christof Loys psychologischer Deutung liegt darin, dass er die Gefühle seiner Figuren ihnen auch körperlich ansehbar macht – wie er kleinste Gesten formt, die Mimik sprechen lässt. Das ist absolut großartig und führt dazu, dass er die Spannung vom ersten bis zum letzten Takt halten kann. Das ist nicht einfach, schließlich wird zwei Stunden und vierzig Minuten lang ohne Pause durchgespielt. Loy schafft das durch Feinarbeit. Er stellt nicht nur die Protagonisten in den Mittelpunkt, sondern gibt jeder kleinen Rolle einen eigenen Charakter - wie etwa dem verklemmten Altkleiderhändler oder all den vielen Näherinnen. Nirgends wird typisiert oder über einen Kamm geschoren. Thomas Hilgemeier, Opernnetz.de

Hans Werner Henze "Die Bassariden"  back to overview
Bayerische Staatsoper München, Nationaltheater, Premiere am 19. Mai 2008

Konzentration auf strukturellen Kern
Die Kunst von Christof Loys packender Inszenierung an der Bayerischen Staatsoper besteht gerade darin, einerseits der Versuchung zu widerstehen, sie [die Vielzahl inhaltlicher Deutungsmöglichkeiten] alle zugleich symbolträchtig verdeutlichen zu wollen, ohne sich andererseits doch vereinseitigend nur mit einen Aspekt dieser überbordenden Fülle von Konnotationen zu begnügen. Auf der beinahe leeren, strikt schwarz-weiß gehaltenen Bühne von Johannes Leiacker konzentriert Loy das dramatische Geschehen in einer intensiven Personenführung auf seinen strukturellen Kern und zeigt die zerstörerische Wirkung jener absolut gesetzten Pole, die als Seiten derselben Medaille gedeutet werden können: Zwang und Entfesselung, Gewaltherrschaft und Anarchie, Technokratie und Irrationalismus, die rabiate Unterdrückung der Triebe und ihr unkontrolliertes Hervorbrechen.
Julia Spinola, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.05.2008

Überzeitlich schlicht und spannungsvoll
Dieses scheinbar so weltfern überzeitliche Werk, das sich in einer geschickt modernisierten Libretto-Neufassung von W.H. Auden und Chester Kallmann auf Euripides’ "Backchen"-Tragödie beruft, wirkt vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Achtunsechziger-Zelebrationen aufregend modern und eminent politisch. Zwei Jahre vor den Studentenunruhen als Koproduktion mit der Deutschen Oper Berlin ausgerechnet bei Herbert von Karajans Salzburger Klassik-de-Luxe-Festival uraufgeführt, wurde hier ein Diskurs über Anpassung und Freiheit, rigide Traditionsstrenge und Aufbruch, Askese und losgelassene Sinnlichkeit, über das Regime des Einzelnen und das Diktat der Masse vorweggenommen, der auch Henze später noch stärker beschäftigen sollte. Es ist – viel klarer und eindeutiger als bei den letzten wichtigen Inszenierungen dieser Oper von Christine Mielitz in hamburg und Peter Stein in Amsterdam spürbar – das große Verdienst des Regisseurs Christof Loy, jetzt diese Bezüge ohne jedes Zeigefingern, überzeitlich schlicht und spannungsvoll herausgearbeitet zu haben.
Manuel Brug, Die Welt, 21.05.2008

Soldateska der Lust
Regisseur Christof Loy führt den Chor der Musik folgend in großen Zügen über die Bühne. Wie bei einer Schlacht bildet er Formationen, aus der die Individuen herausbrechen, um sich wiederzufinden in neuen Gängen, in neuen Gruppen. Das ist die Soldateska der dionysischen Lust und Hingabe, die beständig gegen den Vernunftapostel Pentheus ansingt.
Reinhard J. Brembeck, Süddeutsche Zeitung, 21.05.2008

Entkleidet und befreit
Im Schmucklosen liegt die Wahrheit, sagt diese Regie. Christof Loy hat dabei mit Kostüm- und Bühnenbildner Johannes Leiacker en der Bayerischen Staatsoper das Radikalste gewagt, aber auch das Schwerste. Eine Inszenierung scheinbar ohne alles. Jedenfalls ohne den Zierrat, der alles Theater letztlich nur verkleistert. [...] Wie entkleidet scheinen Hans Werner Henzes "Bassariden" – und befreit, auf dass sie ein gebanntes Publikum in der Premiere voller Wucht und Wirkung treffen können.
Markus Thiel, Münchner Merkur, 21.05.2008

Wolfgang Amadeus Mozart "Così fan tutte"  back to overview
Oper Frankfurt, Premiere am 24. März 2008

Nackte, verletzliche Gefühle
So wischt auch Christof Loy in seiner Frankfurter Regie alle neapolitanischen Lokalfarben und Commedia-dell’Arte-Kapriolen von der Handlung ab, um die nackten, verletzlichen Gefühle bloßzulegen. Aber er tut es nicht, indem er in Fleisch und Blut der Figuren wühlt, indem er Abu Ghraib oder Dieter Bohlen für die Verrohung unserer Gesellschaft verantwortlich macht. Loy pflegt die Kunst der kleinen Gesten und Reaktionen, die Mozarts Figuren als Vorboten einer bürgerlichen Privatgesellschaft sieht.
Michael Struck-Schloen, Süddeutsche Zeitung, 27.03.2008

Entdeckungen in den Tiefenschichten des Werks
Dem Regisseur bleibt es überlassen, wie er das Täuschungsspiel enden lässt. Finden sich die ursprünglichen Paare wieder, bleiben die neuen zusammen, oder gehen alle auseinander? Das ist eine psychologische Frage, die in die Tiefenschichten des Werks führt, und hier lassen sich noch immer Entdeckungen machen, wie Christof Loys minuziös ausgearbeitete Neuinszenierung in der Oper Frankfurt beweist. Für Loy ist die Figurenkonstellation am Schluss allerdings weniger bedeutsam als die Tatsache, dass beide Paarungen möglich wären – er entscheidet sich für die konventionellere, "vernünftige", die Wiedervereinigung.
Marianne Zelger-Vogt, Neue Zürcher Zeitung, 26.03.2008

Ensemblespiel aus dem Geist der Musik
Sie [die Inszenierung] ist mit offenen Ohren erarbeitet. Sie bohrt sich in die Bewegungen der Partitur hinein und versucht sie szenisch zu begründen. Ein Sforzando, ein dynamischer Ausbruch, ein plötzliches Erstarren, ein musikalisches Innehalten - Loy will es als glaubhafte, ja als einzigmögliche Regung auf die Bühne bringen. Es ist Ensemblespiel aus dem Geist der Musik, aber nicht einfach tautologisch nachbuchstabiert, sondern wie Mozart selbst empathisch, mit seinen Figuren fühlend.
Tim Gorbauch, Frankfurter Rundschau, 26.03.2008

Aufregender Erkenntnisweg des jungen Quartetts
Dabei ist es nicht Loys Anliegen, "Così fan tutte" als bloße Beziehungs-Kiste zu zeigen, mit der pikanten Besonderheit, dass sich die Herren in flagranti gleich selbst erwischen. In dieser ganz auf die Personen reduzierten Erzählweise erlebt man Mozarts Oper auf Lorenzo Da Pontes Libretto vielmehr als aufregenden Erkenntnisweg des jungen Quartetts, das seine jugendlich-naiven Vorstellungen über Liebe und Treue Schritt für Schritt als illusorisch erkennen muss.
Axel Zibulski, Allgemeine Zeitung, 26.03.2008

Wolfgang Amadeus Mozart "LUCIO SILLA"  back to overview
Königliches Opernhaus Kopenhagen, Premiere am 21. Dezember 2007

Zeitloses Theatererlebnis
Mit einem einfachen Rahmen und kühler Leidenschaft gelingt es Christof Loy und seinen künstlerischen Mitarbeitern Mozarts Jugendoper "Lucio Silla" zu einem souveränen und zeitlosen Theatererlebnis zu machen. [...]Das Bühnenbild (Herbert Murauer) steht für das, was tatsächlich gespielt wird. Sie ist das Spiel selbst und eben nicht nur der Rahmen. Und genau dieses Spiel bringt Christof Loy mit einer aufregenden Personenregie zum Leben. So kann man Oper auch inszenieren. So sollte Oper inszeniert werden. [...] Es gibt nichts Gleichgültiges in dieser intelligenten, internationalen Inszenierung, und nach mehr als drei Stunden überrascht Christof Loy mit noch einer genialen Idee: Auf überwältigende Weise gelingt es ihm den Schluss der Oper in eine verwunderliche Doppeldeutigkeit zu wenden. So denkt ein großer Theatermann. Dieser "Lucio Silla" ist ein Triumph.
Søren Kassebeer, Berlingske Tidende Kopenhagen, 22.12.2007

Joseph Haydn "Armida"  back to overview
Salzburger Festspiele, Felsenreitschule, Premiere am 28. Juli 2007

Liebevoll und effektsicher
Auch die Solisten, von Bettina Walter in zeitlose, Funktion oder Seelenlage ausdrückende Kostüme gewandet und mit festem Schuhwerk versehen, klettern und kraxeln, rutschen und fallen, ohne doch je mit dem Singen aufzuhören. Und auch nicht ihren Körperausdruck zu vernachlässigen, der von Christof Loy als Regisseur ebenso liebevoll wie effektsicher bis in die letzten Zuckungen der Mundwinkel ausgestaltet worden ist.
Peter Hagmann, Neue Zürcher Zeitung, 30.7.2007

Ästhetisch eigenständig und doch eng am Text
Wenn er [Christof Loy] etwa den innerlich zwischen seiner Liebe und seiner Pflichterfüllung förmlich zerrissenen Rinaldo mit Benzin übergießt und das Inferno daraufhin gerade doch nicht losbrechen lässt, dann entsteht Spannung im holprig-faden Libretto, in dem die Verwandlung der Charaktere in drei Sätzen vollzogen und die zurückkehrenden Zweifel aktweise ausgewalzt werden. Auch die actionreiche, wenn Annette Dasch sich von einer schiefen Bühnen-Ebene stürzt sogar nicht weit von Stunts entfernte, Choreografie von Jochen Heckmann half prompt gegen den Opernschlaf. Sportive Christen- und Moslem-Heere stürmten die Felsenreitschule, und auch die Solisten schreckten vor derbem Nahkampf nicht zurück. Doch Loy drückte nicht brachial aufs Tempo, sondernd holte behutsam raus, was drin ist, ohne der Geschichte dabei wehzutun. Ästhetisch eigenständig und doch eng am Text.
Salzburger Nachrichten, 30.7.2007

Erzählerische Klarheit und Sicherheit
Christof Loys Visualisierung bestach - trotz des Ausstattungsaufwands und der vielen stummen Personen - durch Ökonomie der Mittel, durch erzählerische Klarheit und Sicherheit. Gelungen vor allem die Polarisierung von äußerst raschen, turbulenten und gewaltförmigen Sequenzen und kontemplativer Ruhe, wodurch dem musikalischen Tempo ein wetterleuchtend komplementäres szenisches hinzugesetzt wurde.
Hans-Klaus Jungheinrich, Frankfurter Rundschau, 30.7.2007

Klare Stellungnahme
Christof Loy nimmt klar Stellung. Er lässt Rinaldo sich am Ende aus einem Kanister begießen und ein Feuerzeug anzünden, ehe er singt: "Ich habe gesiegt, mein Herz findet wieder Ruhe". Natürlich brennt es dann nicht, aber die Botschaft ist eindeutig. Überhaupt hat Loy eine stimmige Inszenierung geschaffen, mit Kriegern beider Seiten, die in bezwingender Choreografie eine Schräge – den umkämpften Berg – besteigen oder herunterrollen.
Gudrun Norbisrath, Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 30.7.2007

Giuseppe Verdi "Simon Boccanegra"  back to overview
Oper Frankfurt, Premiere am 20. Mai 2007

Passionsgeschichte
Loy, derzeit viel beschäftigt, ist sicher einer der innovativsten Szeniker im heutigen Musiktheater. Er spürt in den Geschichten, die er inszenieren will, lesend mancherlei Bezüge und Querverbindungen, zweite oder noch tiefere Ebenen auf. In "Simon Boccanegra" entdeckte er über Verdis politische Intentionen hinaus eine Passionsgeschichte: Ausgespannt zwischen politischen Machtkämpfen und individuellen Schicksalsschlägen, erfährt Simon seinen eigenen Leidensweg, der sich für ihn am Ende ins Glück wendet, weil er immerhin noch bestimmen kann, wer ihm auf dem Herrscherstuhl nachfolgen soll: das Paar Gabriele Adorno und Maria Boccanegra, der einstige Widersacher und die eigene, wiedergefundene Tochter. Da fallen dann Worte wie Dogenkrone und Dornen des Martyriums, die eine Nähe zur Passionsgeschichte assoziieren lassen. Und die Gestalt des Fiesco, des Vaters von Boccanegras gestorbener Geliebter Maria, entpuppt sich als eine Gottvater-Figur, während der zwischen den Parteien jonglierende Plebejer Paolo die Züge eines Judas annimmt.
Gerhard Rohde, FAZ, 22.5.2007

John Cages "4’33" zu Beginn
"Boccanegra" enthält wenig Arien, die Rezitative sind vom Orchester prächtig untermalt, so dass der Eindruck einer durchkomponierten Großform entsteht - also ein entschlossenen Schritte weg von der traditionellen "Nummern"-Oper hin zum Musikdrama. Und das hebt auch die Inszenierung von Christof Loy hervor. [...] An den Anfang dieser Oper, die keine Ouvertüre hat, haben Loy und der Dirigent Paolo Carignani zudem John Cages wohl bekanntestes Stück "4'33" gestellt: Eine gut viereinhalb Minuten andauernde Generalpause sämtlicher Instrumente, so dass alle hörbaren Laute nicht von den Musikern, sondern vom Publikum stammen. Dazu hat Loy den Chor, der in Verdis Oper Volkes Stimme singt, bewegungslos auf die Bühne gestellt, den Blick starr auf die Zuschauer gerichtet, die ihrerseits untätig zurückzustarren gezwungen sind. Lange, bedrückende viereinhalb Minuten, die man wohl als Identifikationsvorschlag zwischen Publikum und einem Opernvolk verstehen darf, das bei Verdi allerdings eine recht launenhafte, dümmliche Rolle spielt.
Uwe Wittstock, Die Welt, 22.5.2007

Drama vor aller Augen
Wo keine Kulissen sind, gibt es auch kein Geschehen hinter den Kulissen, vor aller Augen ereignet sich hier das Drama, selbst der Moment, da der frisch gekürte Doge seine Geliebte, um derentwillen er das Amt übernommen hat, tot im Palast ihres Vaters Fiesco findet. Das Private wird öffentlich, die Öffentlichkeit - Patrizier, Plebejer, das wankelmütige Volk - greift zerstörerisch ins Private ein. Wie dann die Tote als Amelia/Maria aufersteht, die gemeinsame Tochter, die der Vater Jahre später wiederfindet, das gehört mit zur Kreislauf-Bewegung von Loys Inszenierung.
Marianne Zelger-Vogt, Neue Zürcher Zeitung, 22.5.2007

Ringparabel
Zu Beginn: nichts. Bühne auf, Licht an, das Orchester sitzt, Chor und Statisten stehen minutenlang auf der fast leeren Bühne. Regungslos. Ein gruppendynamisches Geduldspiel, besonders fürs Publikum. Am Ende, nach drei Stunden packenden Musiktheaters, noch einmal dieses Bild. Wieder stehen alle dort, geläutert vielleicht, bereichert um viel tragische Lebenserfahrung, und die Geschichte könnte wieder von vorne beginnen. Langsam verlöscht das Licht. Diesmal verharrt auch das Publikum in gebanntem Schweigen, bevor der Applaus losbricht. Christof Loy, dem Regisseur, ist eine Ringparabel gelungen. Geschichte, historische Prozesse verlaufen gesetzmäßig und wiederholen sich. "So ist das Volk eben", sagt Simone Boccanegra: Hosianna – Kreuzige, "Eviva" oder "Vendetta".
Andreas Bomba, Frankfurter Neue Presse, 22.5.2007

Georg Friedrich Händel "Giulio Cesare in Egitto"  back to overview
Theater an der Wien, Premiere am 3. April 2007

Überzeitlichkeit
Christof Loy freilich möchte dem Stück keine optischen Informationen hinzufügen. Er vermeidet Dinosaurier und Krokodile und jede Pop-Ästhetik wie auch zeitnahe Anspielungen auf politische Situationen, etwa im Nahen Osten. Dass seine Figuren budgetschonende Alltagsklamotten (Judith Weihrauch) tragen, dient eher dem Hinweis auf die Überzeitlichkeit, die condition humaine des Stücks.
Gerhard Persché, Süddeutsche Zeitung, 7. 4.2007

Entfaltung einer paradoxen Intensität
Die extreme Reduktion, mit welcher der Regisseur Christof Loy zu Werke ging, steht quer zu den üblichen Bestrebungen, bei ausgedehnten Da-capo-Arien dem Auge stets irgendeine Aktion zu bieten. Loy lässt seine (im Übrigen präzise interagierenden) Sänger in diesen Momenten häufig am Bühnenrand stehen; er strebt völlige Konzentration auf den emotionalen Gehalt an, während andere Figuren zu statischen Gestalten einfrieren und dann schlagartig wieder zum Leben erwachen. Wenn Videoaufnahmen aus dem Theaterfoyer zuerst die Besucher und später den Protagonisten der Oper zeigen, schafft Loy (zusammen mit seinem Ausstatter Johannes Leiacker) einen nicht ästhetisch, sondern ausschliesslich durch den Kontext bedingten Übergang zwischen Alltag und Opernhandlung. Ebenso allmählich lässt er die Charaktere aus dem Anfangschor herauswachsen, um sie am Ende wieder in ein Kollektiv eingehen zu lassen, das dem Publikum während eines hinzugefügten instrumentalen Tanzsatzes regungslos gegenübersitzt.
Daniel Ender, Neue Zürcher Zeitung, 7.4.2007

Fühlbare Seelenzustände
Die Inszenierung Christof Loys ist eine Aufführung für den Connaisseur. Wer Ausstattungszauber erwartet, wird enttäuscht. Johannes Leiacker hat einen grauen, drehbaren Kubus auf die Bühne gestellt, in dem die Akteure in Straßenkleidung unserer Zeit agieren. Oder stehen, liegen, sitzen. Die Bewegungsfolgen, auf ein Minimum reduziert, schaffen karge, doch oft eindringliche Bilder, lassen Seelenzustände fühlen, machen mit wenigen Gebärden Beziehungen sichtbar, stets am Rande der Statik, wie um die Sinne des Publikums für jenes Medium zu schärfen, in dem sich sämtliche Emotionen mit aller Macht, allem Raffinement, aller Ausweglosigkeit offenbaren: Händels Musik.
Wilhelm Sinkowicz, Die Presse, 5.4.2007

Auf das Minimum reduziert
Nur fünf Arien waren gestrichen worden, so viel Händel gab es schon lange nicht mehr zu hören. Was dem Verständnis des Erzählstrangs im Prinzip gut tut, denn Christof Loy hatte die Bühnenereignisse auf das Minimum reduziert. Ein hohler dunkler "Marmor"-Quader als Bühnenbild ist eigentlich alles. In diesem abweisend steinkalten Ambiente - nur für die Szene mit der traumhaft verführerischen Cleopatra verwandelt sich der Quader in eine faszinierende Wunderkammer - sind die Sänger in ihren simplen Straßenkleidern auf sich und ihre Künste, auf Stimme und Körper zurückgeworfen.
Ernst P. Strobl, Salzburger Nachrichten, 5.4.2007

Jacques Offenbach "Die schöne Helena"  back to overview
Deutsche Oper am Rhein, Premiere am 5. November 2005, Theater Duisburg

Wie ein Satyrspiel
Der Star-Regisseur schien sich mit einer flotten Bearbeitung von Jacques Offenbachs Komischer Oper "Die schöne Helena" von der Wucht des Berlioz-Projektes [Die Trojaner] befreien zu wollen und inszenierte das geistreiche Werk wie ein Satyrspiel nach einer anstrengenden Tragödie. Die Eskapaden Helenas mit ihrem Lover Paris führt Loy mit leichter Hand, wobei er Offenbachs parodistische Verzerrungen der griechischen Götter- und Heldenwelten so weidlich ausnutzt, dass jede Figur eine eigene pikante Note erhält und die Ironie bisweilen ins Absurde überdreht wird.
Pedro Obiera, Westfälischer Anzeiger, 10.11.2005

Wunderbar funktionierendes Experiment
Christof Loy hat im Grunde mit Offenbach und mit uns ein Experiment gemacht, das auf wunderbar direkte Weise auch deshalb funktioniert, weil das Publikum auf der Hinterbühne dicht gedrängt platziert ist und die Sänger-Darsteller ihre Partien sozusagen zum Greifen nah präsentieren.
Johannes K. Glauber, NRZ, 7.11.2005

Feuerwerk frecher Einfälle
Als Satyrspiel zu Berlioz’ schwerblütiger Mammutoper und parodierenden Kommentar zog Loy bereits in der Duisburger Premiere im stehengebliebenen Bühnenbild von "Troja" alle Register und entfachte für das auf der Bühne platzierte Publikum ein Feuerwerk frecher Einfälle. [...] Christof Loy, der im Opernfach zu fast manischer Textgenauigkeit neigt, geht an diesem Abend überraschend eigenwillig vor, choreografiert das skurrile Personal mit leichter Hand und scheut auch nicht vor derben Scherzen zurück.
Regine Müller, Rheinische Post, 11.3.2006

Wolfgang Amadeus Mozart "La finta semplice"  back to overview
Oper Frankfurt, Premiere im Bockenheimer Depot am 22. Juni 2006

Spaß kam nicht zu kurz
Alles durchdacht und durchgearbeitet von Christof Loy, der sich bei "La finta semplice" an Goethes "Stella" erinnert fühlt, man darf nachdenken, den Zwölfjährigen dabei in der Tat vergessen. Natürlich kommt auch der Spaß nicht zu kurz, der Witz dieser Buffa-Oper, der Tempo hat trotz der Länge. Jenny Carlstedt als Betrunkene etwa, Alexandra Lubchansky als aufreizende Einfalt, auf diese komischen Säulen hätten andere Regisseure ganze Konzepte gebaut. Loy aber wollte mehr, bekam mehr, wurde allen gerecht, auch wenn der Aufwand bei der Durchleuchtung der einzelnen Figuren spürbar wurde.
Stefan Schickhaus, Frankfurter Rundschau, 24.06.2006

Händels "Sarabande" begleitet Duell
Christof Loy inszeniert das alles mit der nötigen Lockerheit. Seine Sänger kommen während der Ouvertüre mit Koffern und Taschen durch die Seitentür gepoltert, schminken sich gut sichtbar neben der Bühne, spielen erst in zeitgenössischen, dann in historischen Kostümen und streuen in ihre italienischen Rezitative deutsche Nebenbemerkungen ein. Nicht zuletzt wegen der Sommerhitze stehen während des ganzen Abends die Türen des Depots offen, so daß, wenn Rosina in ihrer Arie vor bedrohlichen "Liebesgeistern" warnt, sich von der Straße passend die Sirene des Notarztwagens in die Musik mischt. Auch die Partitur ist Loy nicht heilig: Als Fracasso seinen künftigen Schwager Don Cassandro zum Duell fordern will, spielt das Orchester leise ironisch ein paar Takte von Händels "Sarabande" an. Will man in all dem mehr sehen als ein musikalisches Sommervergnügen, kann man Loy loben für das Geschick, mit der er in dieser Oper, die von der vorgetäuschten Einfalt Rosinas handelt, die Täuschungen der Bühnenfiktion regelmäßig unterbricht und aufhebt - ohne den Charme dieses zarten Jugendwerkes zu zerstören. Aber man kann sich auch einfach an seinen zahllosen kleinen Regieeinfällen freuen, daran, wie liebevoll er die Charaktere zeichnet und welche herrlich klaren, nie überladenen und doch prachtvollen Bilder ihm gelingen. 
Uwe Wittstock, Die Welt, 28.06.2006

Spiel im Spiel
Während das Orchester in Feinheiten schwelgte, ging es auf der Bühne eher etwas gröber zu. Regisseur Christof Loy und Ausstatter Herbert Murauer nutzten die Bedingungen des ehemaligen Straßenbahndepots in Frankfurt Bockenheim gut aus, indem sie das Spiel der sieben Akteure und Akteurinnen nicht nur auf der Bühne stattfinden ließen – das Umkleiden in der zum Publikum offenen Künstlergarderobe seitlich der Bühne war genauso Bestandteil der Aufführung. Dadurch entsteht ein Spiel im Spiel: Sieben junge Leute spielen sich und spielen sieben junge Leute zu einer anderen Zeit. Sie alle sind auf vielfältige Weise amourös verstrickt – eine Art Cosi fan Tutte-Vorläufer, nur mit einer noch unwahrscheinlicheren und noch komplizierteren Handlung.
Susanne Rauscher, Opernnetz.de

Wolfgang Amadeus Mozart "La clemenza di Tito"  back to overview
Oper Frankfurt, Premiere am 27. Januar 2006

Personenregie exzellent durchgearbeitet
Christof Loys Personenregie war vom ersten Moment an exzellent durchgearbeitet und hatte zum Schluss hin eine sich verstärkende Sogkraft. Dabei spielten auch bedeutungsvolle Pausen eine große Rolle. So im zweiten Akt nach dem Terzett Sextus / Titus / Publius. Es kommt zur entscheidenden Begegnung des verräterischen Freundes Sextus mit dem schmerzlich enttäuschten Titus. Der Betrogene sitzt in stummer Erwartung am Tisch, Sextus braucht unendlich lange, um ihm gegenüber endlich Platz zu nehmen, während Publius im Hintergrund die gespannte Stille dadurch unterläuft, dass er rumpelnd Stühle auf die Tische stellt. In das beklemmende Schweigen fährt Johannes Oesterlees leiser, vibratoloser Continuo-Violoncelloton wie ein stumpfes Messer hinein.
Hans-Klaus Jungheinrich, Frankfurter Rundschau, 30.01.2006

Seelischen Konflikten gestischen Ausdruck verleihen
"Titus' Versuch, durch Güte eine Gleichheit zwischen den Menschen herzustellen, erweist sich als Konstrukt – oder als Utopie." So formuliert es der Regisseur Christof Loy, dem die Frankfurter Oper ihren Beitrag zum Mozart-Jahr anvertraut hat. Eine glückliche Wahl, denn wo es gilt, aus singenden Opernfiguren lebendige Menschen zu machen und seelischen Konflikten gestischen Ausdruck zu verleihen, da hat Loy heute wenige seinesgleichen.
Vergessen ist alles, was an das stereotype Schema der Opera seria erinnern könnte, aufgehoben die Grenze zwischen Rezitativ, Arie und Ensemble, weil jede Rolle aus der Ganzheit ihrer wechselnden, widersprüchlichen Empfindungen lebt und zugleich mit jeder anderen untrennbar verbunden ist.
Marianne Zelger-Vogt, Neue Zürcher Zeitung, 30.01.2006

Hintergründiges Psychodrama
Jetzt hat sich der Regisseur Christof Loy in Frankfurt mit dem Titus auseinandergesetzt, und dabei ist etwas Erstaunliches zustande gekommen. Wer hätte gedacht, daß selbst aus einem formal eher stereotypen Krönungsspektakel durch kluge Personenführung ein musikalisches Schauspiel mit Menschen aus Fleisch und Blut werden könnte? Und wem würde es als plausibel erscheinen, wenn man ihm sagte, daß hier nicht mit rasanter Bilderfolge und szenischem Aktionismus Wirkung zu erzielen sei, sondern allein durch reduzierte Tempi, Zäsuren und bisweilen quälend wirkende Klangpausen ein hintergründiges Psychodrama entstehen könnte?
Wolfgang Sandner, Frankfurter Allgemeine Zeitung

Großer Regiewurf
Er hat es wieder einmal geschafft! Auch mit Mozarts "Titus", der letzten Oper des Komponisten, ist Loy, der schon mit der "Entführung" in Frankfurt Furore machte, ein großer Regiewurf gelungen. Loy hat sehr genau in die Partitur geschaut, mit psychologischem Blick zwischen Textzeilen und Notenlinien den emotionalen Beweggründen der Figuren nachgespürt. Denn "La clemenza di Tito" ist weit mehr als eine Huldigungsoper, in der sich Herrscherlob und die Mahnung an die Tugenden eines Regenten miteinander verbinden. Loy zeigt "gefühlsechte" Personen auf der Bühne, keine historischen Gestalten. Sein Personal offenbart seelische Brüche, die Handelnden sind getrieben von den Irrungen und Wirrungen ihrer Liebesgefühle, schwankend zwischen Treue und Verrat, beherrscht von Machtgelüsten und der Sehnsucht nach privater Freundschaft auf der einen und Staatsräson auf der anderen Seite. Vor allem aber zeigt Loy Menschen in ihrer Einsamkeit.
Michael Dellith, Frankfurter Neue Presse, 30.01.2006

Hector Berlioz "Les Troyens"  back to overview
Deutsche Oper am Rhein, Premiere am 29. November 2005

Neuartig und fruchtbar
Doch nicht nur der Aufführungsmodus, auch das Inszenierungskonzept von Christof Loy erweist sich als neuartig und fruchtbar. Haben sich die «Troyens»-Regisseure der jüngsten Vergangenheit - Herbert Wernicke 2000 in Salzburg, Graham Vick 2001 in München, Yannis Kokkos 2003 in Paris - am Tableau-Charakter der Grand Opéra orientiert, so liest Loy die pompösen Chorbilder (die Ballette eliminiert auch er) als Chiffren politischer und gesellschaftlicher Zustände und entwickelt die tragischen Schicksale der heroischen Hauptfiguren aus diesen. Für den Untergang Trojas, die Prosperität Karthagos, die Landung von Aeneas' Truppe und den Kampf gegen die schwarzen Numidier finden Loy und Murauer sinnfällige Entsprechungen in unserer heutigen Vorstellungswelt.
Marianne Zelger-Vogt, Neue Zürcher Zeitung, 01.11.2005

Individuen, die sich zur Masse fügen
Christof Loy, der seit Jahren die beiden Häuser prägende Regisseur, zeigt die Individuen, die sich zur Masse fügen. Was schon bei Berlioz angelegt ist, etwa in den Frauen, die nicht mit in den von Kassandra angeführten Massenselbstmord gehen wollen, oder in den Trojanern, die in Karthago bleiben und nicht dem ideologischen Phantom "Italien" nachjagen wollen, formuliert er durchweg aus. […] Christof Loys Inszenierung betont die Frauen. Ihre Zerrissenheit zwischen dem Privaten und ihrer Rolle als Prophetin und Königin muss in beiden Fällen in der Katastrophe enden. Samt archaischer Selbstbehauptung vor der Geschichte und der Nachwelt.
Joachim Lange, Frankfurter Rundschau, 01.11.2005

Das berührt – auch unangenehm
Loy war immer ein Meister im Zeichnen von Frauenfiguren. Seine Kassandra, die das Unheil Trojas voraussieht und doch nicht verhindern kann, berührt den Wahn. […] Wie Loy ein Volk zeigt, das in Kriegszeiten immer noch einen Staatsakt feiert, ist trefflich, zumal der riesige, von Gerhard Michalski und Christoph Kurig vorbereitete Chor Staunenswertes leistet. Meisterhaft: die Schreckensstarre, als von Laocoons Tod Kunde gegeben wird. Zum Schluss – die Freuen Trojas töten sich, um nicht dem Feind in die Hände zu fallen – gibt es einen Gemeinschaftstod durch Vergasung. Das berührt – auch unangenehm.
Michael Stenger, Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 31.10.2005

Chronik eines Untergangs
Der Regisseur Christof Loy liest die ersten beiden Akte ("Die Einnahme von Troja") am Duisburger Haus als Chronik eines Untergangs, dessen apokalyptische Dimension er durch Anklänge an Hitlers letzte Tage und ihre mediale Verwurstung unterstreicht. […] Den Untergang von Trojas erleben wir dann aus der (Führer-)Bunkerperspektive. Unterm Protzpalast sammeln sich zwischen zwei Feldbetten, neonbeleuchtet und traurig verlassen, die trpjanischen Frauen und entziehen sich den Vergewaltigungen durch die Griechen im Massenselbstmord. Wenn Kassandra die Versorgungsleitungen kappt und das Gas in den Bunker strömt, werden die Meriten von Loys Bildersprache deutlich: seine Durchbildung von Charakteren bis in die letzte Chorreihe, der klare Handlungsaufbau, die einfachen, aber wirkungsvollen Zeichen und Gesten.
Holger Liebs, Süddeutsche Zeitung, 02.11.2005

Georg Friedrich Händel "Alcina"  back to overview
Bayerische Staatsoper, Premiere am 17. Juli 2005

Dezent und wirkungsvoll
Unbestreitbar ist […] Loys dezente, gleichwohl wirkungsvoll individuelle Personenführung, die zum einen den mächtigen musikalischen Affekten geradezu körperlichen Ausdruck verleiht und zum anderen die Marathonstrecken der hypertrophen Solo-Arien mit Nebenhandlungen illustriert, die die Handlung sinnfällig fortführen oder vorbereiten.
Wolfgang Sander, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.07.2005

In präziser Gestik pure Emotion und Erotik
Das ist fast schon Mozart, nicht mehr Barock. Und Loy zeigt das mit einem solchen Wissen um Gefühle und Beweggründe, so uneitel und ergreifend in seiner Glaubhaftigkeit, dass man sich eine andere Inszenierung des Stücks gar nicht mehr vorstellen mag. Dass dieser Regisseur der Münchner Opernsaison das Glanzlicht aufsteckt, ist schon zweimal passiert, mit Händels "Saul" und Donizettis "Roberto Devereux". Die Festspiel-Premiere von "Alcina" setzt die Reihe nun fort. […] Loy wagt das Schwerste – und gewinnt: Alle Karten legt er offen, versteckt sich nicht hinter dem "Einfall", zeigt vielmehr in präziser Gestik pure Emotion und Erotik. […] Spürbar wird, und das ist nicht alltäglich, dass dieser Regisseur Stück und Figuren hingebungsvoll liebt – und uns schließlich auch dazu bringt.
Markus Thiel, Münchner Merkur, 19.07.2005

Schlau und anmutig
Händel in München, das hat Operngeschichte geschrieben. Für den neuesten Beitrag zeichnet der wunderbare Regisseur Christof Loy verantwortlich. Aus Hamburg brachte er "Alcina" nach München, allerdings gut aufpoliert. Loy, der schlau und anmutig wie wenige seiner Kollegen inszeniert, gelingt es ohne zu lahmen, die Zuschauer durch vier Stunden ungekürztes "Dramma per musica" zu leiten. Dabei entwickelt Loy langsam, ohne rumpelnde Einfälle, womit ihm aber jeder folgen können sollte.
Thomas Vitzthum, Opernnetz.de

Seelenlandschaften
Nicht von Landschaften, sondern von Seelenlandschaften handelt Georg Friedrich Händels Oper "Alcina" in der Münchner Festspiel-Inszenierung von Regisseur Christof Loy und seinem Bühnenbildner Herbert Murauer. Hier geht es im heranbrechenden Zeitalter der Empfindsamkeit um zarteste Differenzierungen des Gefühlslebens, um echte und verblendete Liebe, um Eifersucht und Leidenschaft, um die unendlichen Schattierungen des Psychischen. Loys Erfolgsgeheimnis ist seine lebendige Personenführung. Nur selten agieren Sänger so differenziert, so präzise, so vielschichtig. Man glaubt sich manchmal fast in eine Mozart-Oper versetzt, so psychologisch einfühlsam führt er die Personen. Hier werden nicht nur von Arie zu Arie Affektreihen vorgeführt, sondern realistisch gezeichnete Menschen bewegen und fesseln uns. Jesko Schulze-Reimpell, Donaukurier, 19.07.2005

"Mozart in Paris", nach Briefen der Familie Mozart  back to overview
Staatstheater Stuttgart, Premiere am 4. Juni 2005

Psychoanalytisch überzeugend
Mozart wird auf allen Kanälen präsent sein und mal mehr, mal weniger fragwürdig verrummelt werden. Genau das aber scheint Christof Loy unter allen Umständen vermeiden zu wollen. Sein Mozartprojekt ist nicht nur taktisch clever platziert, nämlich rechtzeitig vor dem Hype, sondern auch formal und inhaltlich so klug und sinnlich gestaltet, dass es die meisten noch ausstehenden Beiträge zum Mozartjahr hinter sich lassen wird. Das lässt sich jetzt schon mit Sicherheit sagen, jetzt, da wir die auf Briefen basierende Bühnenerzählung "Mozart in Paris" im Depot gesehen haben: rhythmisch bezwingend, musikalisch betörend, spielerisch toll und psychoanalytisch überzeugend. Chapeau!
Roland Müller, Stuttgarter Zeitung, 06.06.2005

Luftiges Capriccio
Es ist eine leichte, helle, klare, wunderbar entspannte Aufführung geworden. Das Drama des Künstlers auf der Suche nach sich selbst und in der Auseinandersetzung mit dem übermächtigen Vater in Salzburg. Aber eben auch: Sex und Liebe, wie kriegt man das als 22jähriger hin, wenn man eigentlich immer nur Flausen im Kopf hat und sich selbst ein Rätsel ist? […] Christof Loy hat die Mozartschen Korrespondenzen zwischen Mannheim, Paris und Salzburg zu einem luftigen Capriccio collagiert und dazwischen einige vom Hammerklavier aus begleitete Stellen aus "Figaro" und "Cosi fan tutte" eingebaut.
Christoph Müller, HZ online

Entwicklungstragikomödie eines begabten jungen Mannes
Neu ist vielmehr, was Loy ausdiesem zutatenlos dialogisierten Originalton herausdestillierte und selbst inszenierte: keine Schulfunk-Reprise beliebter Wolferl-Possen und strenger Vater-Posen, sondern die Entwicklungstragikomödie des begabten jungen Mannes. Sie ist exemplarisch und doch eigentümlich, ein Prisma übertragbarer Adoleszenzkonflikte, dessen Strahlen aber das Phänomen menschlicher Kreativität beleuchten: das Mozart-Prinzip und nicht nur den historischen Wolfgang Amadé. Der Schwebezustand zwischen dokumentarischer Präzision und Modellhaftigkeit zeichnet Loys faszinierende Arbeit aus. Ihr Kunstgriff ist doppelte Unähnlichkeit: Weder ist Familie Mozart eine Familie wie jede andere, noch blättert Loy nur im Familienalbum der originalen Salzburger Musikantensippe.
Martin Mezger, Esslinger Zeitung, 06.06.2005

Gioacchino Rossini "Il Turco in Italia"  back to overview
Hamburgische Staatsoper, Premiere am 20. März 2005

Pointenreiches Feuerwerk
Selten ist an der Staatsoper zuletzt so viel gelacht worden. (...) Da Loy sein Dramaturgen-Handwerk bestens beherrscht, brennt er die schlichte Story mit ihren voraussehbaren Konflikten als pointenreiches Feuerwerk ab.
Christoph Forsthoff, Hamburger Morgenpost, 22.03.2005

Wohldosierte Ironie
Doch ganz so einfach wollte Christof Loy, der mit einer "Alcina" vor drei Jahren sein Händchen für intelligente Unterhaltung auf hohem Niveau unter Beweis stellte, es weder sich noch dem Hamburger Publikum machen. Er nahm die Klischees und Stereotypen zwar gehörig auf die Schippe, glich die Schenkelklopfer-Gags aber immer wieder mit geschickter Personenführung und vor allem wohldosierter Ironie clever aus.
Joachim Mischke, Hamburger Abendblatt, 22.03.2005

Pointiertes heimatfilmisches Idyll
Opern-Spielleiter Christof Loy, bereits zweimal vom Fachmagazin "Opernwelt" zum Regisseur des Jahres gekürt und in Hamburg schon 2002 mit Händels "Alcina" bejubelt, versucht gar nicht erst, der Geschichte durch verkrampfte Umdeutungen und andere Klimmzüge des Regietheaters eine extravagante Statur zu geben. Seine Aktualisierung präsentiert ein pointiertes heimatfilmisches Idyll der südlichen Kulturen. Grelle Postkartenfarben auf der Bühne, erstarrte Touristen am Strand, kristallklare Riviera: So viel Karikatur lässt hohlen Gesten oder peinlichem Pathos keine Chance. Mit der scharfen Waffe der Ironie führt Loy die Klischees vor - und mittels komödiantischer Überzeichnung gleich wieder ab absurdum.
Werner Theurich, Spiegel Online, 21.03.2005

Genre Komödie konsequent umgesetzt
Wie viele Zigeuner passen in einen Wohnwagen? In der rasanten Inszenierung von Christof Loy sind es über 30, die auch gleich die gesamte Bühne mit Campingstühlen und Wäscheleinen okkupieren. Mit dieser und anderen klischeehaft anmutenden Fragen ironisiert er nicht nur – wie von Rossini vorgesehen – das Sujet des Opernschreibens, sondern die Publikumserwartungen gleich mit – ein Konzept, das vollends aufgeht. Ein Gag jagt den anderen: Die Bühnenarbeiter werden in Shakespeare-Manier mit in die Handlung einbezogen, zu Fiorellas Verabschiedung erscheint ein ganzes Heer von schmachtenden Verehrern, stumme Figuren im Hintergrund karikieren in Zeitlupe das Geschehen. Das Genre Komödie ist selten so konsequent umgesetzt worden.
Jan Ehlert, Opernnetz.de, 21.03.2005

Liebevoll erdachte Details
Loy will das ja schon in sich gebrochene, ironisierte Drama nicht mit Gewalt zu unserer heutigen Opernwelt in Bezug setzen. Im Grunde verfährt er als Theaterpraktiker, der Rossinis Stück möglichst effektvoll auf die Bühne bringen will. Aber es sind die liebevoll erdachten Details, die diese Inszenierung weit über den bloßen Pragmatismus des Funktionierens erheben. Oft zeigt sich hier eine reizende Poesie, etwa wenn sich eine dunstige italienische Kulissenlandschaft als Schrankwand entpuppt, die eine kleine Bar und ein großes Schuhsortiment enthält.
Wolfgang Fuhrmann, Berliner Zeitung, 22.03.2005

Charles Gounod "FAUST"  back to overview
Oper Frankfurt, Premiere am 6. Februar 2005

Stets in schöner Balance
Loy gelingt es, das mit allerlei "metaphysischen" Zutaten und Tricks angereicherte bürgerliche Liebes- und Eifersuchtsdrama aus intensiven Personenspannungen heraus zu entwickeln und das Stück trotz vehementer Aktualisierungen nicht auseinanderzusprengen oder in beziehungslose Gags aufzulösen. Er nimmt die Intensität des vokalen Ausdrucks so ernst, wie wenn er Verdi inszenieren würde. Dass Faust damit nicht zum Spielball snobistischer "Einfälle" wird, hält diese Arbeit – die an triftigen Einfällen mehr als genug aufweist – stets in einer schönen Balance.
Hans-Klaus Jungheinrich, Frankfurter Rundschau, 08.02.2005

Faust-Themen auch heute noch virulent
Zusammen mit dem Bühnenbildner Herbert Murauer führt er [Christof Loy] den Beweis, dass die zentralen Themen der Faust-Oper noch heute virulent sind: die Macht des Glaubens, die Gesetze bürgerlicher Moral, die Sehnsucht nach der Fülle des Lebens, die von einem dämonischen Verführer und Volksaufwiegler zynisch missbraucht wird. Es bedarf nur eines adäquaten Umfelds, um diese Themen ans Licht der Gegenwart zu holen.
Marianne Zelger-Vogt, Neue Zürcher Zeitung, 08.02.2005

Existenzieller Selbstzweifel
"Dieser Gott – was tut er für mich?" Fausts hypertrophe Frage wird zum beklemmenden Topos der Frankfurter Inszenierung Christof Loys von Gounods "Faust". Er überlagert die gestörten Lebensgefüge der dramatis personae, was sich im existentiellen Selbstzweifel (auch Gretchens) zu transzendierender Spiritualität steigert: Gounods "Faust" gelangt durch diese inszenatorische Konsequenz zu klassischer Größe. Das zwischenmenschlich-gestörte Beziehungsgeflecht wird in Posen distanzierter Nähe nachvollziehbare Bühnenrealität.
Franz R. Stuke, Opernnetz.de

Schonungslos sachlicher Sozialbefund
Starke, einprägsame Bilder aus unserer heutigen sozialen Tristesse findet der Regisseur Christof Loy für diesen Faust in der Oper Frankfurt. Er vermeidet jeden Hauch von Rührstück und Romantik und rückt Goethes Geschichte von Teufelspakt und verführter Unschuld in die Nähe von Janácek: Ein schonungslos sachlicher Sozialbefund wird hingestellt. Das geht unter die Haut, weil Loy, der in Bremen bereits den Faust von Berlioz eigenwillig erneuert hat, die Situationen schnörkellos ohne so genannte Regieeinfälle entwickelt.
Siegfried Kienzle, Allgemeine Zeitung Mainz, 08.02.2005

Gaetano Donizetti "ROBERTO DEVEREUX"  back to overview
Bayerische Staatsoper, Premiere 19.01.2004

"Opera", Mai 2004
"Has Edita Gruberova ever sung better? When has the magic of her voice and her unique artistry been more affecting and poignant? It takes a demanding producer, such as Christof Loy in his new NATIONALTHEATER staging of Roberto Devereux (January 19), to release that combination of singing and acting that reminds one why people have gone to the opera for the last 400 years."
Beate Kayser "Opera", Mai 2004

Überwältigendes Kammerspiel
(...) In dieser morbiden Schmucklosigkeit, in der es weniger um eine konkrete Ortsbestimmung als um Atmosphäre geht, entfaltet Christof Loy mit gestischer Präzision und dramatischer Schlüssigkeit ein überwältigendes Kammerspiel. Einen Thriller, der sich nie über die "Handschrift" des Regisseurs definiert, sondern der allein durch das spannende Beziehungsgeflecht der vier Hauptpersonen getragen wird. Edita Gruberova (Elisabetta) dringt mit dieser Aufführung in eine neue Dimension der Charakterisierungskunst vor (...) – wie sie schließlich in einer tief berührenden Geste Abschied von der Krone nimmt, sich die Perücke abstreift und in den Irrsinn gleitet - ein Moment, der wohl keinem Besucher des Nationaltheaters mehr aus dem Kopf gehen wird. Vor allem mit dieser grandiosen Szene spielt Christof Loys Inszenierung einen weiteren Trumpf aus. Denn neben der Intimität des Kammerspiels lässt er zugleich den "großen Moment" zu.
Markus Thiel, Münchner Merkur, 21.01.2004

Lustvoll und glaubhaft
Der rasende Erfolg jedenfalls, den Donizettis "Roberto Devereux" der Bayerischen Staatsoper in München nun bescherte, verdankt sich einer ausgefuchsten Dialektik. Er balanciert auf dem schmalen Grat zwischen kulinarischer Sause und kritischer Coolness, zwischen Aufklärung und Triebbefriedigung. Dass der Abend drei pralle Stunden lang nicht abstürzt, weder in die eine noch in die andere Richtung, könnte man schlicht intelligent nennen. Oder abgefeimt. Oder auch ganz einfach: very british. (...) Was sich leicht als immermüder Aktualisierungsversuch abtun ließe, das wissen Loy und Murauer ausgesprochen geschickt zu nutzen. Es ist ihr ironisches Augenzwinkern, die leichte Überdrehung im richtigen Augenblick, das unterschwellige Liebäugeln mit dem Slapstick, was diese szenische Transaktion vom 17. über das 19. ins 21. Jahrhundert lustvoll macht und glaubhaft. (...) Schauspielerisch scheint die Gruberova hier erstmals wirklich erweckt worden zu sein.
Christine Lemke-Matwey, Tagesspiegel, 21.01.2004

Historiendrama von heute
(...) eine Inszenierung (...), die das Historiendrama um die alternde Monarchin, die von ihrem jungen Günstling und ihrer engsten Vertrauten betrogen wird, auf plausible, unverkrampfte Weise zu einem Gegenwartsstück macht. "Roberto Devereux" spielt bei Christof Loy und Herbert Murauer (Ausstattung) in einem imaginären heutigen Land (...). Mit dieser "Vergegenwärtigung" lässt sich zwar nicht jedes Detail der Handlungsführung dramaturgisch legitimieren und nicht jede Szene mit Spannung aufladen, aber das Geschehen bekommt eine psychologische Grundlage, auf der die Sängerinnen und Sänger sich auch darstellerisch entfalten können, allen voran Edita Gruberova, die sich nicht scheut, der alternden Königin neurotische Züge zu verleihen. (...) Zusammen mit seinem Ensemble hat Christof Loy den Mittelweg zwischen Regietheater und Sängeroper gefunden.
Marianne Zelger-Vogt, Neue Zürcher Zeitung, 21.01.2004

Drama der alternden Frau
"Non vivo": Endlich spuckt die alternde Herrscherin diese zwei Worte heraus, angeekelt von diesem verpfuschten Leben, in die Knie gezwungen von einer unmöglichen Liebe zu einem allzu jungen, allzu arroganten Mann, und zuletzt verraten von ihren besten Freunden. Die vier Buchstaben des "vivo" splittern in alle Richtungen auf der Riesenbühne des Münchner Nationaltheaters. Sie reißen Wunden in die Seelen der atemlos staunenden und gebannt lauschenden Zuhörer. Dieses "Ich lebe nicht" wird zum Fanal, zum Schlüsselmoment des ganzen Abends.
Reinhard J. Brembeck, Süddeutsche Zeitung, 21.01.2004


Wolfgang Amadeus Mozart "DIE ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL"  
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Oper Frankfurt, Premiere am 19. Oktober 2003

Ein "Glücksfall" in jeder Hinsicht
"Was die beiden [Christof Loy und Dirigentin Julia Jones] jetzt an den Städtischen Bühnen in Frankfurt mit Mozarts "Entführung aus dem Serail" anstellten […], wirkte wie Felsensteins Idealtyp eines klugen, in sich geschlossenen und keinen Aspekt des Klangs wie des Geschehens vernachlässigenden Musiktheaters. Mehr noch: Selten einmal hat man Mozarts als Türkenoper verniedlichtes, als Märchen aus Tausendundeiner Nacht missverstandenes oder zur Parabel auf Toleranz und Humanität hochgestemmtes Singspiel so sinnlich, so lebendig, vor allem aber so einleuchtend vorgeführt bekommen wie in dieser hinreißenden Inszenierung. […]
Gelingen kann so etwas allerdings nur, wenn ein Regisseur seine Sänger zu führen vermag und diese sich wiederum auch als Schauspieler von hohen Graden entpuppen. Auch in dieser Hinsicht ist die Frankfurter "Entführung" ein Glücksfall: ein Gesamtkunstwerk […] die Künste gleichwertig behandelnd und zueinander in unaufhörlichen Zusammenhang stellend. […]
Bravo für ein Musiktheaterereignis von Rang.
Wolfgang Sandner, FAZ, 21.10.2003


Georg Friedrich Händel "SAUL"  
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Bayerische Staatsoper, Premiere 28.04.2003

Absoluter Glücksgriff
Die Münchner Händel-Renaissance, bisher (...) der ironischen Verfremdung frönend, hat mit einer szenischen Version des Oratoriums "Saul" jetzt einen absoluten Glücksgriff getan. Für seine erste Inszenierung an der bayerischen Staatsoper hat Christof Loy die opernhafte Aktion nicht der Oratorienform aufgepfropft oder illustrierend unterlegt, sondern konsequent aus ihr selbst hervorgetrieben. Und vor allem: Loy entwickelt eine nuancenreich charakterisierende, formbewusst durchstrukturierte, dramaturgisch pointierende, fantasievoll prägnante Personenregie, wie man sie lange nicht erlebt hat.
Hans Krieger, Nürnberger Nachrichten, 30.4.2003

Virtuos und geistreich
Nicht ein Buh färbte den Jubel für (...) ein Regieteam, dem eine virtuose, geistreiche Übersetzung der oratorischen Statik ins dramatische Szenario gelungen war. 
Vielleicht am überraschendsten der erste Akt, wo Regisseur Christof Loy und sein Bühnenausstatter Herbert Murauer den episch-lyrisch in Chören und Arien erzählten, nur abgeblendet dramatischen Stoff um die Dioskuren Saul und David mit Ironie entfalten, die Geschichte um Israels ersten König mit seinem Clan und den genial-kraftprotzigen Emporkömmling. Das beginnt als ausbalanciertes Spiel mit den Gattungen Oratorium und Musiktheater genauso wie mit den bildnerischen Stilepochen. 
Die Ebenen und Schichten des Stücks werden wie im Traum, fast unmerklich übereinander gelegt: Eine Partygesellschaft versammelt sich während der vierteilig glänzenden Ouvertüre in einem strahlend erleuchteten pseudoklassizistischen Raum. Ein kleiner, zunächst leerer Konzertsaal ist fein säuberlich nachgebaut mit exakt angeordneten Stuhlreihen. Livrierte Diener des 18. Jahrhunderts, ganz in Weiß, beginnen mit Vorbereitungen für eine Veranstaltung: Letzte Staubreste von den Möbeln wischen, Stühle noch penibler anordnen, die langsam eintrudelnden Herrschaften (Solisten) versorgen – Vertreter einer Oberschicht in dunklen Anzügen und Abendkleidern. Das alles genau beobachtet und choreographisch bis in kleinste Schritte und Gesten hinein "durchgearbeitet". Mit Eleganz. Die Aufführung lebt von der Balance der Charaktere, der Aktionen und Bewegungen.
Wolfgang Schreiber, Süddeutsche Zeitung, 30.04.2003

Historische Mehrschichtigkeit
Nun hat Christoph Loy mit dem "Saul" (...) ein Großwerk Händels auf die Bühne gebracht. Der rauschende Erfolg gab dem Unternehmen recht. Dabei weiß auch Loy, dass diesen Stoffen im Stil eines Bibel-Historical-Schinkens nicht beizukommen ist. Er übersetzt die Geschichte in Zeit und Ort etwa der Uraufführung, London 1739. Und Herbert Murauer hat ihm hierfür ein weißes Einheitsbühnenbild gebaut, das gleichermaßen für puritanische Kirche mit Orgel, (Chor- )Konzertpodium und repräsentativen Versammlungssaal steht. Chor und Statisterie sind denn auch barock kostümiert, die Protagonisten, Höflinge, auch Schergen jedoch im heutigen Anzug. König Saul wird zum mürrisch-vereinsamten Konzernherr, der junge, allseits gefeierte Kriegsheld und Musiktherapeut David zum Popstar im offenen weißen Hemd, der das Bad in der Menge genießt. (...) Solch historische Mehrschichtigkeit (...) dient nicht zuletzt dem zumindest strikt antinaturalistischen Parabelcharakter, zu dem auch passt, dass die "Gefallenen" Saul und Jonathan wiederauferstehen. (...)
Biblischem Faltenwurf jedenfalls begegnet man nicht, der reichen Facettierung vor allem der David-Figur zwischen nettem Guy von nebenan, Musiker, Lover und militärisch-politischem Führungscharismatiker kommt dies entschieden zugute. Gegen Ende des zweiten Aktes quert beiläufig eine alte Stadtstreicherin die Bühne, und man ahnt schon: die Hexe von Endor, die Saul in seiner Not aufsucht wie Macbeth ein zweites Mal die Hexen. Die Begegnung zweier "Outcasts" wird eben dadurch umso gespenstisch-grotesker.
Gerhard R. Koch, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.04.2003



Richard Strauss "ARIADNE AUF NAXOS"  
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Royal Opera House Covent Garden, Premiere 06.09.2002

Beautifully directed
For his debut Pappano has brought the German Christof Loy to the Royal Opera House for the first time to direct Strauss's artfully contrived piece, with designer Herbert Murauer. Their biggest theatrical coup is staged in the opening moments, when what seems at first sight to be an unremarkable set of an empty elegant salon, with just an elevator door in the middle, suddenly begins to rise, revealing another floor beneath where the singers and musicians are preparing for the evening's entertainment. 
It is a pure visual extravagance, mirroring the structure of the opera in which dramatic conceits nestle within one another like Chinese boxes. The action in modern dress is beautifully directed by Loy, every characterisation (...) is carefully wrought. The humour and the deep veins of seriousness are skilfully interwoven, musically and dramatically. (...) T.he dramatic heart of the piece is unflinchingly pinpointed. 
Andrew Clements, The Guardian, 07.09.2002

Unceasingly wonderful Ariadne
The Royal Opera House has been on pretty hot form of late - rarely more so than in Christof Loy's vital staging of Ariadne auf Naxos. (...)
This unceasingly wonderful Ariadne was Covent Garden opera at its most scintillating, from the first (and astonishing) visual coup near the start, when designer Herbert Murauer, having established Christopher Quest's gloriously meticulous Major Domo in his plush entry hall, ratchets up the entire stage (...) to reveal a locker room basement below, in which the hapless singers and actors huddle in suitably shapeless - but terrifically well plotted - melées, scattered round the set like melancholy cast-off props. The opera never really looked back from that moment: all else was plain (Aegean) sailing.
Roderic Dunnett, MV daily, 08.09.2002

Sensitive and illuminating
Antonio Pappano's regime as music director of the Royal Opera gets off to a cracking start with a spectacular new production of Richard Strauss's Ariadne auf Naxos. 
(...) I was impressed. The prologue opens in a swish modern hotel foyer. In a breathtaking coup de theatre, the entirety of Herbert Murauer's set elevates to reveal the seedy dressing rooms below. All hell erupts, as the hoity-toity opera singers are asked to share the bill with a heavy metal band.
It may sound gimmicky - Hofmannsthal's original scenario specifies the Louis Quatorze period - but Loy handles the concept with grace. The gags don't become coarse or vulgar, every role is sharply etched, and the interaction between characters has been immaculately rehearsed. In the opera within the opera, Ariadne's misery isn't guyed and Zerbinetta doesn't over-play the rock slut.
Most important, Loy makes dramatically vivid the war between two incompatible philosophies of life, art and love that lies at the opera's heart. Updating raises the hackles of many conservative opera-goers, but this staging seems to me truly sensitive and illuminating.
Rupert Christiansen, Telegraph, 09.09.2003

Audacious and poetic
Within moments of the curtain rising on Christof Loy's audacious and poetic staging of Strauss's opera-within-an-opera Ariadne auf Naxos, there was a scenic coup de théâtre worthy of Sir Cameron Mackintosh, there were sequins, there were toppers and tails. (...)
Strauss and his librettist would surely have rejoiced in the vividness, the robust and edgy humour of Loy's whirlwind staging. (...) The tragic and the comic, the cheerless and the cheap are to be reconciled in the "Opera" proper and by this point in the proceedings you fully expect Loy to bring Broadway to Bow Street after the interval. But that's where he plays his trump card.
Zerbinetta and her "comedy troupe" exit the prologue dressed to kill for their bolshie burlesque – she in figure-hugging, shimmering candy pink, they in toppers and tails – but when they gatecrash the Opera they are scruffy inner-city types – the very antithesis of Ariadne's nobility. In other words, the social pecking orders from the prologue are kept in place for the Opera, but the Opera is an entirely imagined affair, a mystic, mythic dreamscape.
Edward Seckerson, The Independent, 12.09.2002


Christoph Willibald Gluck "IPHIGÉNIE EN AULIDE"
  
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Glyndebourne Festival, Premiere 19.05.2002

A Gluck milestone
... Gluck is our contemporary. At least he is in Christof Loy’s smart, psychologically probing new staging for Glyndebourne. This is the young German director’s British debut, but he will be an increasingly prominent visitor in the coming years, with several productions scheduled for Covent Garden. Already a star in Brussels (...), Loy has been chosen by the Royal Opera’s incoming music director for his inaugural production this autumn.
Loy and his design team (...) have found striking contemporary metaphors for Gluck’s retelling of Agamemnon’s cruel dilemma as he prepares to lead the Greek invasion of Troy. (...) Grievously – to ardent Gluckists at least – Loy will have no truck with Gluck’s happy ending (...). Agamemnon slaughters his daughter anyway, and the opera closes with the eerie unison martial chorus, written for the first performances but later suppressed. (...) It’s a climactic theatrical moment at Glyndebourne, and one that leaves the audience in a momentary state of stunned silence. This "Iphigénie en Aulide" is a Gluck milestone.
Hugh Canning, The SUNDAY TIMES, 26.05.2002

Tragödie der Empfindsamkeit
Szenisch gaben der künftig in Covent Garden gut beschäftigte Christof Loy und sein bewährter Bühnenbildner Herbert Murauer ihr England-Debüt. Beide erwiesen sich erneut als kluge Fortführer der inzwischen Manier gewordenen Ideen des Ehepaars Herrmann. (...)
Loy entwickelt eine von den geschickt verzahnten Tanzeinlagen unterstützte Tragödie der Empfindsamkeit - nur aus der Gestik und den Gefühlen der Personen heraus. Gluck einmal wirklich als aufklärerischer Zertrümmerer des oft gipsernen Faltenwurfs der Seria-Oper. Die flexiblen, wunderbar mitgehenden und präzise charakterisierenden Sänger erleichtern solches. Natürlich misstraut Loy dem glücklichen Ende durch die pompös einziehende Dea ex Machina Diana (Marie Arnet). Der Form wird zwar Genüge getan. Doch Iphigenie liegt am Ende in ihrem Blut. Starr stampfen die kriegslüsternen Männerhorden zu dumpfem Trommelschlag über ihren toten Körper hinweg. 
Manuel Brug, Die WELT, 28.06.2002



Georg Friedrich Händel "ALCINA"
  
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Hamburgische Staatsoper, Premiere 24.02.2002

Wahres Prachtstück
Es war eine Premiere, die so überfällig war wie keine in den letzten Jahren: Endlich hat auch die Hamburgische Staatsoper mit Händels "Alcina" wieder eine Barockoper im Repertoire vorzuweisen. Und nicht nur das: Bei ihrer gemeinsamen Arbeit ist Christof Loy und dem Dirigenten Ivor Bolton ein wahres Prachtstück gelungen (...) Die geschmackvolle Inszenierung von Loy, ebenso einfühlsam wie ideenreich, verlieh den barocken Charakteren subtile menschliche Züge.
Hamburger Abendblatt, 25.02.2002

Eine verletzungsfreie Zone gibt es nicht
Christof Loy und Ivor Bolton zaubern mit Händels "Alcina" in Hamburg: Die unaufhaltsame Auflösung eines vermeintlich unangreifbaren Liebesbegriffs verbindet Loy (...) mit einer Zeitbewegung, einem Weg von Händel ins 21. Jahrhundert: Je stärker sich die Gefühle der Figuren verändern, sich vom gerade noch Geliebten ab- und einem neuen zuwenden, desto näher rücken sie unserer Gegenwart. Alcina muss diesen Weg mitgehen, auch wenn sie die einzige Konstante in einem Spiel bleibt, dessen Herrin sie längst nicht mehr ist: Von Anfang bis Ende liebt sie Ruggiero, keinen sonst, und doch scheitert sie, weil sich um sie herum alle Konstellationen verschieben. Sie erfasst die Tragödie – einen Mann zu lieben, der diese Liebe nicht länger erwidert – und kann sie doch nicht ändern. Kein Zauber hilft: Eine verletzungsfreie Zone gibt es für Alcina nicht.
Jochen Breiholz, OPERNWELT, 4/2002

Demontage der magischen Herrscherin
Christoph Loy hat nun in Hamburg deutlich auf den artifiziell gebrochenen Charakter des Ganzen gesetzt, mehr die Schichten hervorgehoben als die Handlung, konkrete Situationen und Aktionen. Und mehrfach gelingt es ihm vorzüglich, in den Arien den quasi-autistischen Aspekt eines Dialogisierens mit einem imaginären Gegenüber herauszuarbeiten. Sehr viel anderes bleibt einem bei nicht wenigen Da-capo-Arien auch nicht übrig; aber in der Analogie von Personenzeichnung und Musik überzeugt das. Herbert Murauer hat ihm hierfür ein Bühnenbild bereitet, das den Einheitsraum mit unterschiedlichen historischen Konnotationen besetzt. Zunächst einmal gibt es zwei Kästen übereinander mit Türen: Unablässig gehen die Protagonisten durch Realitätswände. Feste Identitäten kann es nicht geben. Wird zu Beginn ein barockes Parkidyll eingelassen und trägt das Ballett entsprechend höfische Kostüme, so wird die Sphäre der bösen Zauberin in modernem Ambiente mit Naturmuseumsschaukästen gezeigt, einschließlich des barocken Reifrock-Gerippes. Analog tritt Alcina zunächst in prächtigster roter Robe auf, dann ähnlich, doch in Trauerschwarz, schließlich im schlichten schwarzen Hänger und sogar im heutigen Kampfanzug. Die Demontage der magischen Herrscherin geht durch die Epochen. Dies gilt auch für die anderen Figuren, selbst das Ballett, das agiert, als gelte es gar, Bin Laden zu fangen. Bei Alcinas großem fis-Moll-Siciliano-Lamento bleibt sie einsam auf schwarzer Bühne. Doch selbst das lieto fine das obligate Happy-End, wirkt verschattet. Mit gewaltigem Donnerschlag stürzt eine der Wände um. Doch der gerettete Held Ruggiero sinkt ohnmächtig, entseelt (?) zu Boden, indes Alcina als schwarze Stele im Hintergrund verharrt.
Gerhard R. Koch, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.02.2002



Richard Strauss "DER ROSENKAVALIER"  
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Opéra de la Monnaie, Premiere 11.12.2001

Metiersicher
Als Komödie für Musik, Farce und wienerische Maskerade vor allem kommt der neue "Rosenkavalier" an der Brüsseler Oper daher. In Herbert Murauers gebrochen Rokoko-verliebter, Theater auf dem Theater zwischen Dekorations-Versatzstücken entlarvender Ausstattung spießt der metiersichere Christof Loy das doppelbödig Gemachte, absichtsvoll sentimental Überwältigende im Meistermachwerk der Herren Strauss und Hofmannsthal auf.
Manuel Brug, Die WELT, 13.12.2001

Minuziöse Personenregie
Mit dem "Rosenkavalier" ist vor fünfzehn Jahren, im November 1986, das Théâtre de la Monnaie nach der Renovation und baulichen Umgestaltung wiedereröffnet worden. Jetzt steht das Gemeinschaftswerk von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal in einer Inszenierung von Christof Loy erneut auf dem Spielplan. Zu einem Epochenwechsel ist es allerdings nicht gekommen. Loy und Herbert Murauer (Bühne und Kostüme) halten sich an das traditionelle Erscheinungsbild des Werkes. Ein Neuansatz manifestiert sich nicht im stilistischen Vokabular, sondern in der Gewichtung der Elemente.
Wie Murauer auf der visuellen Ebene das Imaginäre hervorhebt, so akzentuiert Loys minuziöse Personenregie in der "Komödie für Musik" das Komödiantische, mit deutlichem Bezug auf das 18. Jahrhundert als supponierte Handlungszeit, teilweise sogar mit Commedia-dell'Arte-Anklängen.
Marianne Zelger-Vogt, NEUE ZÜRCHER ZEITUNG, 19.12.2001

Réelle virtuosité, chaleur sincère, véritable folie
Christof Loy, dont on n'a pas oublié "Les noces de Figaro" et "Eugène Oneguine" à la Monnaie, opte à nouveau pour un vaste espace scénique commun dans lequel quelques toiles peintes ou accessoires (...) viennent camper le décor des diverses scènes. Ce dispositif le conduit aussi à souligner à quel point l'intimité des personnages est toujours relative - la Maréchale et Octavian prennent leur petit-déjeuner sous le regard des multiples visiteurs qui se manifesteront dans la scène suivante -, mais tel n'est pas l'aspect le plus intéressant de son travail.
Il réside plutôt dans la façon de traiter le thème central - celui du temps inexorable - sans lourdeur mais avec des gestes et attitudes chargés de sens. A cet effet, la direction d'acteurs est minutieuse, les mimiques sont accentuées (mais sans excès) pour faciliter la compréhension du texte et chaque personnage est habilement caractérisé: une Maréchale délicieusement nostalgique, un Octavian juvénile et égoïste, une Sophie façon gamine un peu capricieuse et légèrement hystérique, un Ochs rustre à souhait et néanmoins attachant. Il y a dans cette mise en scène une réelle virtuosité, mais il faut attendre le deuxième et surtout le troisième acte pour ressentir une chaleur sincère et une véritable folie.
Nicolas Blanmont, LA LIBRE BELGIQUE, 13.12.2001



Claudio Monteverdi "L’ORFEO"  
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Deutsche Oper am Rhein, Premiere 19.10.2001

Überfällige Neuinterpretation
Mit dem Satz ,Alle Oper ist Orpheus’ machte dann auch Adorno den legendären Antiken-Sänger zum archetypischen Vorbild und Dompteur, der nicht nur wilde Tiere und Frauenherzen zu bändigen verstand. Für Regisseur Christof Loy sind jedoch die orphischen Gesänge Monteverdis keineswegs die oft beschworenen, repräsentativen Retter in höchster Not. Als Auftakt des Monteverdi Zyklus an der Deutschen Oper am Rhein folgte Loy stattdessen der Skepsis des Musikwissenschaftlers Fred van der Kooij, der dem Bild der Allmacht der Musik das der Ohnmacht der Musik entgegenstellte. Und damit das Künstlerdrama – immer entlang der Musik Monteverdis – einer überfälligen Neuinterpretation aussetzte, die mit Loy auf dem Prüfstand gelang. In Düsseldorf steht Orpheus daher das Scheitern wie einem romantischen Zweifler ins Gesicht geschrieben. (...) Selbst die allegorische Figur der ,Musica’, die Loy sinnigerweise mit der Figur der ,Speranza’ zusammenfasst, ist nicht mehr die selbstbewusste Verkünderin einer musikalischen Utopie. Als ständige Begleiterin von Orpheus (...) zerfällt langsam ihr statuarischer Glanz, zeigt sie Verwundbarkeit. In dieser gespannten disharmonia mundi aus Götter- und Menschenseelen muss die Lust auf Heiterkeit und Tanz in Taumel geraten."
Guido Fischer, Frankfurter Rundschau, 26.10.2001

Aus dem Mythos wird spannende Gegenwart
400 Jahre vergehen wie im Flug, wenn Künstler wie Christof Loy (...) den ,Orfeo’ zum Leben erwecken. Aus dem Mythos wird an Düsseldorfs Rheinoper spannende Gegenwart.. (...)
(...) von strahlend widersprüchlicher Poesie beseelte Inszenierung: Loy entwickelt den ,Orfeo’ als brisantes Planspiel: Der Held als Gefangener seines Talents. (...)
Loy hat Monteverdis Personal fabelhaft aus historischer Starre gelöst. Wir erleben Menschen in zeitloser Aktualität, die fühlen, trauern, Anteil nehmen, sich in Frohsinn vergraben oder ihre Wut aus den Augen lächeln. In Gesichtern spiegeln sich Schicksale. (...)
Orfeos Zukunft wird von Loy gleich zweimal betrogen. Zum ersten mal im Hades, wenn Orfeo sich zu früh umdreht, Eurydike ihm um den Hals fällt und dann zu Boden sinkt. Später, wenn Orfeo aus dem Hades heimgekehrt ist, erlebt er die Szene in einer traumatischen Version erneut, sodass der mythologische Ursprung durchscheint: Orpheus, der Zerrissene.
Wolfram Goertz, Rheinische Post, 22.10.2001


Bewegendes Format
Der kluge Christof Loy, der einen Monteverdi-Zyklus an der Rheinoper herausbringt, wurde nicht von ungefähr mit dem Musikpreis der Stadt Duisburg geehrt. Denn dieser Regisseur geht seine Inszenierung im Geiste der Musik an: Wie er ganz ohne Theaterdonner den Mythos Orpheus mit Strenge, ja Schlichtheit als Künstlerdrama in unsere Zeit führt, wie er Musik und Hoffnung als Allegorien sinnstiftend zur allgegenwärtigen Personaleinheit führt, wie er das Drama des begabten Sängers in der Gesellschaft zuspitzt, hat bewegendes Format.
Michael Stenger, Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 22.10.2001

Barockes Glück
In Düsseldorf ist eine grandiose, spannende, psychologisch ungemein verdichtete Inszenierung durch den Regisseur Christof Loy zu sehen, die den antiken Mythos ins Tragische wendet. Aus den zahlreichen Deutungsmöglichkeiten des Werks kristallisiert Loy die Stellung des Individuums zum Unabänderlichen ebenso heraus wie die Konfrontation des Urkünstlers Orfeo mit seinen eigenen, ungebremsten Leidenschaften.
Johannes K. Glauber, Neue Ruhr Zeitung, 22.10.2001


Peter I. Tschaikowsky "PIQUE DAME"  
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Bremer Theater, Premiere 16.06.2001

Ungewöhnlich und planmäßig durchdacht
Es war eine hinreißende Spielzeitabschluss-Premiere des Bremer Musiktheaters (...). Großartige Sängerleistungen, ein differenziert reagierendes Orchester und eine ebenso ungewöhnliche wie planmäßig durchdachte szenische Realisierung bestimmten eine Aufführung (...), die Maßstäbe setzte (...): subjektives innerseelisches Erleben statt objektiver Außenansichten sowie (...) ein ganz und gar beklemmender Schluss, der tiefenpsychologischen Abgründen nachspürt.
Gerhard Asche, WESER-KURIER, 18.06.2001

Rausch der Gefühle
Eine der besten Umsetzungen des Werks ist jetzt am Bremer Theater zu erleben: Welche kreativen Potenziale bei einvernehmlicher Kooperation zwischen Regisseur und Dirigent freigesetzt werden können, zeigt jetzt die Arbeit von Christof Loy und Günter Neuhold. (...) In Loys genialischer Regie steht nicht die plakative Konterkarierung, sondern das subtil ausgelotete Gefühlsdrama im Mittelpunkt.
Sigrid Schuer, DIE WELT, 19.06.2001

Eindringlich gelöst
Regisseur Christof Loy hat das aus der Musik geborene szenische Problem der kontrastierenden Spielebenen eindringlich (...) gelöst: durch Einebnung. (...) Es ist eine weltlose Spukwelt, durch die sich der Protagonist torkelnd tastet. Dem Divertissement wird die Pracht eines Tableaus verweigert. Christof Loy konzentriert die Handlung auf der Sturz des Helden in den Abgrund doppelter Leidenschaft: seiner Liebe zu Lisa und seiner Spielsucht.
Jürgen Kesting, FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG, 19.06.2001